Die Wespensaison steuert in Österreich auf ihren Höhepunkt zu. Vor allem im August und Anfang September sind Wespen besonders aktiv. Für Menschen mit Insektengiftallergie kann ein Stich gefährlich werden. Ein Stich kann im Extremfall lebensbedrohliche Reaktionen auslösen – wie ein tragischer Todesfall in Oberösterreich aktuell vor Augen führte.
In Österreich sind rund drei Prozent der Bevölkerung gegen den Stich von Biene, Wespe, Hornisse oder Hummel allergisch. Das entspricht etwa 300.000 Menschen. Doch nicht jede allergische Reaktion ist potenziell lebensbedrohlich. „Nur ein Teil der Betroffenen reagiert mit schweren Symptomen wie Schwellungen am ganzen Körper, Übelkeit, Schwindel und Benommenheit bis hin zu einem Kreislaufschock, der im schlimmsten Fall tödlich enden kann“, informiert Assoz.-Prof. Dr. Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien und der Forschungsgruppe Klinische Allergologie an der Univ.-Hautklinik Graz sowie Mitglied im IGAV-Beirat. „Diese Menschen sollten unbedingt allergologisch abgeklärt, bei Vorliegen einer Allergie über die Möglichkeit einer vorbeugenden Behandlung informiert und für den Ernstfall entsprechend geschult werden.“
Sicherer Schutz durch Allergen-Immuntherapie
So gefährlich eine Insektengiftallergie sein kann, so gut lässt sie sich behandeln. „Die Allergen-Immuntherapie ist eine sehr wirksame Behandlung, die zuverlässig und nachhaltig vor schweren allergischen Reaktionen schützt“, erklärt Sturm. Dabei werden zunächst steigende und anschließend regelmäßige Erhaltungsdosen des entsprechenden Insektengifts kontrolliert verabreicht. Das Immunsystem lernt dadurch, den Allergie-Auslöser zu tolerieren und reagiert bei einem Stich nicht mehr über. „Die Therapie dauert insgesamt zwar drei bis fünf Jahre, der Schutz baut sich jedoch bereits innerhalb kurzer Zeit auf“, sagt der Experte. „Bei einer Behandlung im Krankenhaus ist man bereits nach wenigen Tagen geschützt, ambulant dauert es wenige Wochen.“ Voraussetzung für die Therapie ist eine gesicherte Diagnose durch den Facharzt.
Der ideale Zeitpunkt dafür ist etwa vier Wochen nach dem Stichereignis. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die vorbeugende Behandlung mit einer Allergen-Immuntherapie ausdrücklich. Die Kosten werden von der Krankenkasse zur Gänze übernommen und die Therapie ist auch für Kinder ab fünf Jahren zugelassen.
Notfall-Adrenalin
Das wichtigste Notfallmedikament ist Adrenalin, das rasch selbst verabreicht werden kann. Sturm: „Bleibt die Reaktion auf eine Rötung und Schwellung an der Einstichstelle begrenzt, handelt es sich in der Regel nicht um eine bedrohliche Reaktion. In diesem Fall ist auch kein Notfall-Adrenalin erforderlich und es reichen symptomlindernde Medikamente wie Antihistaminika und Kortisontabletten.“
Richtig reagieren im Notfall