Welt-Allergie-Woche 2018 19.04.2018

Die Woche vom 22.-28. April steht mit der „Welt-Allergie-Woche“ daher heuer ganz im Zeichen der Neurodermitis. Die Arbeitsgruppe Allergologie der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) will im Rahmen dieser Aktionswoche die Belastungen durch diese Erkrankung aufzeigen und über die Möglichkeiten in der Behandlung informieren.

Neurodermitis ist die häufigste Hauterkrankung im Kindesalter. Gerötete, raue, trockene Hautstellen, die schubweise und betont an Ellbeugen und Kniekehlen auftreten, schuppen, nässen und verkrusten, können Hinweis für eine Atopische Dermatitis (besser bekannt unter dem Begriff Neurodermitis oder auch atopisches Ekzem genannt) sein. Die Neurodermitis ist die häufigste Hauterkrankung im Kindesalter. „In den letzten vier Jahrzehnten hat sich in erster Linie aufgrund veränderter Umweltbedingungen bzw. unseres westlichen Lebensstils die Häufigkeit der atopischen Dermatitis verdreifacht. Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen und immerhin noch zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen müssen damit zurechtkommen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Norbert Reider, Leiter der Arbeitsgruppe Allergologie der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV), Leiter der Allergieambulanz an der Innsbrucker Hautklinik und Mitglied im IGAV-Beirat. Bei 60 Prozent der Patienten tritt die nicht-ansteckende, chronisch-entzündliche Hauterkrankung bereits im ersten Lebensjahr auf, bei 90 Prozent bis zum fünften. [1,2,3] Damit beginnt für die ganze Familie oft ein kaum durchdringbarer Teufelskreis.

Darum rückt die Welt Allergie Organisation (WAO), und mit ihr hierzulande die Arbeitsgruppe Allergologie der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV), die wenig wahrgenommene und häufig unterschätzte Hauterkrankung von 22.-28. April ins Rampenlicht. „Die atopische Dermatitis bedeutet eine enorme Belastung für Betroffene“, betont Reider. „In der Welt-Allergie-Woche wollen wir den großen Leidensdruck der Patienten und ihren Familien, die starke Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie die sozio-ökononomische Last der Erkrankung aufzeigen und so mehr Verständnis für die Betroffenen erreichen.“ Gezielte Aufklärung hilft zudem, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und das Leid der Betroffenen einzudämmen.

Großer Leidensdruck für kleine Patienten

Prim. Univ.-Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Leiterin der ÖGDV-Arbeitsgruppe Pädiatrische Dermatologie und Vorstand der Dermatologischen Abteilung am SMZ-Ost Donauspital kennt die Leiden der jungen Patienten: „Sie fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes in ihrer Haut nicht wohl. Besonders die hartnäckigen Juckreiz-Attacken werden als quälend empfunden. Das oft unkontrollierbare Kratzen verschlimmert die Hautschäden. Entzündungen entstehen und der starke Juckreiz steigert sich ins Unerträgliche. Man nennt dies auch Juckreiz-Kratz-Zirkel.“ Reizbarkeit, Schlafmangel sowie Konzentrationsstörungen, und damit verbunden auch Leistungsbeeinträchtigung in der Schule, sind vorprogrammiert. Und auch die – oft hilflosen oder verzweifelten – Eltern und Geschwister leiden mit. „Zusätzlich erschweren psycho-soziale Probleme wie geringes Selbstbewusstsein, Frustration, Verhaltensstörungen, sozialer Rückzug bis hin zu Depressionen das Leben der betroffenen Kinder und Jugendlichen“, so Volc-Platzer. „So sind zum Beispiel soziale und sportliche Aktivitäten, wie Schwimmen, oft eine große Herausforderung.“

Hohes Allergie- und Asthmarisiko

Meist verläuft die Erkrankung mild bis mittelschwer und geht mit zunehmendem Alter zurück. Die große Gefahr der chronischen Erkrankung besteht jedoch auch im Fortschreiten und dem „Sammeln von Allergien, da eine Sensibilisierung gegen diverse Allergene wie Pollen, Hausstaubmilbe, Erdnüsse über die erkrankte Haut erfolgt. „Wir sprechen hier vom atopischen Marsch“, spricht Volc-Platzer die möglichen Folgen einer unbehandelten Erkrankung an. „Die atopischen Babys und Kinder von heute sind die möglichen Asthmapatienten von morgen.“ Untersuchungen zeigen, dass bis zu 80 Prozent der erkrankten Kinder mit der Zeit auch an einer Gräser- und Pollenallergie, Nahrungsmittelallergien oder Asthma erkranken. [4]

Frühzeitig zum Arzt!

„Darum spielt die Aufklärung eine ganz große Rolle“, betont Reider einmal mehr. Durch eine frühe und genaue Diagnose können betroffene Kinder und Eltern Hilfe bei Experten finden. Allergologisch geschulte Kinderärzte oder Dermatologen sind die richtige Adresse, um frühzeitig einzugreifen, die Symptome zu lindern und eine Allergiekarriere einzubremsen. [5] Ergänzende Informationen zum Selbstmanagement der Krankheit können durch die Neurodermitis-Schulung nach AGNES, die von speziell ausgebildeten Dermatologen, Kinderärzten und Psychologen durchgeführt wird, erworben werden.

Linktipps:

Mehr über die World-Allergie-Woche

Mehr über die Arbeitsgruppe Allergologie: www.allergologie.at

 

Quellen:

[1] WAO White Book on Allergy, World Allergy Organization, 2013 Update; www.worldallergy.org/wao-white-book-on-allergy [2] Darsow U. Eyerich K., Ring J. Eczema (E), Atopic Eczema (AE), and Atopic Dermatitis (AD); www.worldallergy.org/professional/allergic_diseases_center/atopiceczema [3] Tilgen W. Dill-Müller D. Koch P. 2005. Dermatiologie. Empfehlungen zur Patienteninformation. Steinkopf Verlag [4] Oranje A.P., De Waard-Van der Spek F.B. Curr. Opin. Pediatr. 2002; 14:410-3 [5] Wahn U. The Allergic March. Allergic Diseases Resource Center. www.worldallergy.org/professional/allergic_diseases_center/allergic_march