Tag der Immunologie: ÖGAI informiert 29.04.2021

Zusätzlich zur Sorge um die eigene Gesundheit verunsichern Gerüchte und „Fake News“ zum Corona-Infektionsrisiko und zu Impf-Nebenwirkungen. Die Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) ist eine Vereinigung, die wissenschaftlich gesicherte Expertise zu immunologischen und allergologischen Fragestellungen wie etwa dem Nebenwirkungsrisiko einer COVID-Impfung bietet und heuer ihren 50. Geburtstag feiert. Auch der heutige Tag der Immunologie ist dem Thema COVID-19 gewidmet. Dazu stellt die ÖGAI Empfehlungen auf Basis des aktuellen Stands der Wissenschaft sowohl für Ärzte als auch für die Bevölkerung kostenlos zur Verfügung. Zum Faktencheck am besten die Webseite besuchen: www.oegai.org

Haben Allergiker ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko nach einer COVID-19-Impfung? Ist es für Menschen mit einer Autoimmunerkrankung ratsam, sich impfen zu lassen? Haben Frauen oder Männer ein höheres Risiko für eine Infektion oder Impf-Nebenwirkung? All das sind Fragen, die die Bevölkerung zurzeit massiv beschäftigen – und verunsichern. Fundierte Antworten haben Experten für Immunologie und jene für Allergologie. In der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI), die heuer ihren 50. Geburtstag feiert, sind diese beiden Disziplinen vereint. „In der aktuellen Corona-Pandemie sind der Informationsbedarf und das Interesse an immunologischen Themen enorm“, sagt ÖGAI-Präsidentin Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim. Die ÖGAI wurde mit der Vision gegründet, die Expertisen aus den Bereichen der Immunologie und der Allergologie zu bündeln. In der aktuellen Pandemie ist diese Vision gelebte Praxis wie nie zuvor. „Denn wir verstehen, wie das Immunsystem funktioniert.“

Impfung: Mit Aufklärung Angst nehmen

Speziell was die Sicherheit der verfügbaren SARS-CoV2-Impfstoffe anlangt, sind Sorge und Informationsbedarf in der Bevölkerung groß. „Die Menschen haben viele Fragen“, weiß die klinische Immunologin Assoz.Prof. DDr. Eva Untersmayr-Elsenhuber vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der Medizinischen Universität Wien und im Vorstand der ÖGAI. Speziell Patienten mit immunologischen Vorerkrankungen sind verunsichert, ob die Impfung für sie ein Risiko darstellt. „Generell besteht die Notwendigkeit einer Patienten-spezifischen Nutzen-Risiko-Abwägung. Die übereinstimmende Expertenmeinung besagt jedoch, dass gerade Patienten mit immunologischen Erkrankungen in den meisten Fällen klar vom Schutz einer COVID-19 Impfung profitieren und kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen haben. Das gilt für Patienten mit Autoimmun-Erkrankungen genauso wie für Menschen nach Organ-Transplantation, die ein deutlich höheres Risiko haben, im Rahmen einer Corona-Infektion schwer zu erkranken. Auch bei hämatologischen Erkrankungen wie Gerinnungsstörungen spricht viel für die Impfung“, informiert die Immunologin und verweist auf eine aktuelle Publikation der ÖGAI, die brennende Fragen an klinische Immunologen im Zusammenhang mit den neuen COVID-Impfungen im Detail beantwortet und demnächst in einem renommierten wissenschaftlichen Journal veröffentlicht sowie auf der ÖGAI-Webseite nachzulesen sein wird.(1) „Mit profunder und wissenschaftlich fundierter Aufklärung wollen wir Menschen ihre Angst nehmen und Ärzten gesicherte Handlungsempfehlungen in die Hand geben.“

Eine Frage des Geschlechts?

Neben Faktoren wie Vorerkrankungen und Alter wird auch die Rolle des Geschlechts im Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko und -verlauf diskutiert. Fakt ist: Männer haben ein höheres Risiko an COVID-19 zu erkranken. Auch das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ist größer.(2) Untersmayr-Elsenhuber erklärt: „Das liegt unter allem daran, dass die Strukturen im menschlichen Körper, die für das Eindringen des Coronavirus in die Zellen verantwortlich sind, bei Männern in größeren Mengen vorkommen als bei Frauen.“ Dazu ist das weibliche Immunsystem besser gegen Viren gewappnet als das männliche. Zur Wirksamkeit der COVID-Impfung wurden bis dato noch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt. Was die Sicherheitsaspekte betrifft, erleiden Frauen generell häufiger Impf-Nebenwirkungen. „Frauen haben eine stärkere Immunantwort als Männer und reagieren daher auch stärker auf die Impfung“, so die Expertin und betont: „Die gefürchtete Impf-Nebenwirkung einer Hirnvenenthrombose tritt zwar auch bei Frauen häufiger auf, ist aber insgesamt extrem selten – 0,0005 Prozent aller Geimpften erleiden diese Nebenwirkung nach Verabreichung des dafür in Verruf geratenen AstraZeneca-Impfstoffs.“ Erkrankt man allerdings an COVID-19, ist das Risiko für Thromboembolien ungleich höher und liegt zwischen 10 und 20 Prozent.

Heiß diskutiert: COVID-19-Impfungen & Allergien

Auch schwere allergische Nebenwirkungen – eine so genannte anaphylaktische Reaktion – der Impfung wurden in der Bevölkerung besonders aufgeregt diskutiert. „Die ÖGAI hat dazu gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Allergologie der dermatologischen Fachgesellschaft ÖGDV ein Ampelsystem mit Handlungsempfehlungen erarbeitet, das eine einfache Hilfestellung für Impfärzte darstellt“, informiert Univ.-Prof. DDr. Wolfram Hötzenecker, MBA, ÖGAI-Vizepräsident und Vorstand sowie Lehrstuhlinhaber für Dermatologie an der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Kepler Universitätsklinikum Linz. Anaphylaktische Reaktionen auf Impfungen sind sehr seltene Ereignisse: „Im Schnitt tritt ein Fall pro 100.000 bis eine Million Impfungen auf. Nämlich dann, wenn man eine Allergie gegen einen Inhaltsstoff der Impfung hat.“ Menschen mit zum Beispiel Heuschnupfen, Neurodermitis oder einer Nahrungsmittelallergie haben somit kein erhöhtes Risiko, betont der Allergologe. Allergiker können also zumeist problemlos geimpft werden.(3)

50 Jahre ÖGAI: Erreichtes & Ziele

Die Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) vereint österreichische Allergologen und Immunologen aus Wissenschaft und Medizin. Ihr Motto: „Leben für Forschung. Forschung für Leben“. Seit jeher ist es das Ziel der Gesellschaft, fächerübergreifende Aus- und Weiterbildung und besonders die nächste Generation an Wissenschaftern zu fördern, um das Leben von Patienten mit Allergien und Immun-Erkrankungen weiter zu verbessern. Speziell die Allergologie ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, in dem viele medizinische Berufsgruppen zusammenwirken. Hötzenecker: „Es besteht ein enormer Bedarf an einer Zusatzausbildung zum Allergologen, wie es sie in anderen europäischen Ländern bereits gibt.“

Die ÖGAI ist weltweit gut mit den Gesellschaften für Allergologie und Immunologie vernetzt und wird künftig Kooperationen mit anderen Fachbereichen wie etwa der Dermatologie, Rheumatologie, Pädiatrie, Gastroenterologie, Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin, aber auch der Aerobiologie und Umweltmedizin ausbauen – vor allem, um auch dem One Health-Gedanken zu entsprechen. Denn die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ist miteinander verbunden. So haben Auswirkungen des Klimawandels und der Luftverschmutzung oder das Zusammentreffen mit Mikroben und Parasiten Einfluss auf die Entstehung von Allergien. „Um Krankheiten wie die Allergie-Epidemie zu verhindern oder auch virale Pandemien zu bekämpfen, ist ein interdisziplinärer und ganzheitlicher Ansatz unbedingt erforderlich“, so Jensen-Jarolim.

Auch die Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen soll verstärkt werden. „Mitglieder der ÖGAI sind schon jetzt in den wissenschaftlichen Gremien von Patientenorganisationen wie der IGAV vertreten. Das garantiert wissenschaftlich geprüfte Patienteninformation“, so die ÖGAI-Präsidentin.