Ozon: Alarmstufe Rot für Pollenallergiker 15.04.2021

Aktuelle Forschungsergebnisse des Österreichischen Pollenwarndienstes zeigen, dass Klimawandel und Luftverschmutzung einen deutlichen Einfluss auf Allergiker und Pflanzen haben. Dabei zeichnet sich ein Schadstoff als besonders gefährlich aus: Ozon. Im Rahmen der Untersuchung wurden die möglichen Auswirkungen bestimmter Luftqualitätsparameter auf die Beschwerde-Intensität von Nutzern des Pollentagebuches (erreichbar unter www.pollentagebuch.at) analysiert. Als Fallbeispiel wurde Wien gewählt, da die Bundeshauptstadt ideal für eine Großstadt ist und qualitativ hochwertige Pollen- und Luftqualitätsdaten verfügbar sind. Untersucht wurden die Pollensaisonen für Birke, Gräser und Ragweed, die Luftqualitätsparameter Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Feinstaub und die Symptomdaten der Jahre 2010-2018. „Es zeigte sich, dass speziell Ozon unabhängig von der Menge an Pollenkörnern in der Luft die Symptome vor allem bei Gräser- und Birkenpollenallergikern verschlechtert“, informiert Studienautor Dr. Markus Berger, Mitarbeiter des Österreichischen Pollenwarndienstes.

Die Untersuchung ist die bisher einzige Arbeit zu den messbaren Auswirkungen von Luftverschmutzung an einem Nutzerkollektiv einer Großstadt. Das macht sie innovativ und einzigartig in ihrem Forschungsansatz und die Ergebnisse spielen eine wesentliche Rolle für künftige Prognosen. Denn um möglichst genau vorherzusagen, wie es einem Allergiker während der Pollensaison gehen wird, braucht es zum Pollenflug auch Informationen zum Wetter, zum Blühverhalten der Pflanzen sowie zur Luftqualität. Damit kann erstmals gezeigt werden, welche Parameter in welchem Ausmaß zusammenspielen, wenn Patienten Beschwerden haben.

Ozon ist aggressives Reizgas

In höheren Luftschichten schützt Ozon vor schädlicher UV-Strahlung. Am Boden entsteht das Treibhausgas im Zuge der chemischen Umwandlung von Vorläufersubstanzen (v.a. Stickstoffoxide, flüchtige organische Verbindungen) unter intensiver UV-Einstrahlung. Intensive Sonneneinstrahlung bringt also erhöhte Ozonkonzentrationen (photochemischer Smog oder „Sommersmog“). Von Mai bis September werden meist die höchsten Ozonwerte gemessen – genau dann, wenn auch die Pollen fliegen! Als aggressives Reizgas dringt Ozon aufgrund seiner geringen Wasserlöslichkeit tief in die Lungen ein und kann Zellmembranen sowie Nervenendigungen im Atemwegsepithel angreifen. In der Folge kommt es dort zu irritativen Veränderungen und Entzündungen.

Quelle: Berger M, Bastl K, Bastl M, et al. Impact of air pollution on symptom severity during the birch, grass and ragweed pollen period in Vienna, Austria: Importance of O3 in 2010–2018. Environ Pollut. 2020;263. doi:10.1016/j.envpol.2020.114526