Obst-Ernte: Freudenfest für Wespen, Gefahrenquelle für Allergiker 21.09.2020

Wenn das Obst reif wird und von den Bäumen fällt, ist das eine willkommene Einladung für Wespen. Denn reife Früchte sind für diese Insekten äußerst schmackhafte Leckerbissen. Ein Aufenthalt in der Nähe von Obstbäumen ist im Spätsommer und Herbst deshalb besonders gefährlich für Wespengift-Allergiker. Bereits der Stich einer einzigen Wespe kann für sie lebensbedrohliche Folgen haben. Experten raten daher betroffenen Allergikern dringend, immer ihre Notfall-Medikamente bei sich zu tragen. Speziell mit einem Adrenalin-Pen sind Allergiker gut für den Notfall gerüstet, denn Adrenalin stabilisiert den Kreislauf und kann so einen allergischen Schock verhindern.

Gegen Ende des Sommers erreicht die Wespenpopulation ihren Höhepunkt. Es kommt ihnen nach und nach die natürliche Nahrung wie Blütennektar und Insekten abhanden. Deshalb bedienen sie sich gerne auch an unseren Tischen. Ihren Energiebedarf decken sie vor allem mit Kohlenhydraten in Form von Zucker. Besonders reifes Obst ist eine beliebte Futterquelle für die Hautflügler. „Das Nahrungsangebot ist heuer aufgrund der hohen Obsterträge für Hornissen und andere Faltenwespen besonders gut. Daher ist davon auszugehen, dass im Herbst viele Wespen unterwegs sein werden“, so Mag. Dr. Gernot Kunz vom Institut für Biologie an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Gefährliche Allergie

Mehr als 200.000 Menschen in Österreich reagieren allergisch auf einen Wespenstich. Für gesunde Menschen ist der Stich zwar schmerzhaft, sonst aber harmlos, bei Allergikern kann er innerhalb weniger Minuten zur Lebensgefahr werden. „Charakteristische Warnzeichen einer gefährlichen, so genannten anaphylaktischen Reaktion, die bis zum Kreislauf-Schock führen kann, sind starker Juckreiz und Rötung am ganzen Körper, Nesselausschlag, Schwellungen im Gesicht und am Hals, Schwindelgefühl, Herzrasen, Übelkeit, Schluck- und Sprechbeschwerden, Husten und Atemnot“, informiert OA Dr. Thomas Hawranek, Leiter der Allergie-Ambulanz an der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie in Salzburg.

In dieser Notfallsituation ist Adrenalin das einzige lebensrettende Medikament. „Adrenalin wird in den Muskel gespritzt und stabilisiert rasch den Kreislauf. Dadurch können gefährliche Schock-Reaktionen verhindert werden“, erklärt OA Dr. Pavel Basek PhD von der Salzburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Damit das Adrenalin im Ausnahmezustand einfach und sicher sowie in der richtigen Dosierung selbst verabreicht werden kann, steht es in Form eines Autoinjektors für Kinder und Erwachsene zur Verfügung. Sie sind einfach zu bedienen und Fotos am Pen selbst demonstrieren verständlich die korrekte Handhabung. Basek betont: „Dennoch braucht es ärztliche Schulung und regelmäßige Übung mit einem geeigneten Trainingsgerät, damit auch in Stress-Situationen jeder Handgriff sitzt.“

Wichtig ist auch, das Haltbarkeitsdatum zu kontrollieren, denn nach Ablauf des Autoinjektors nimmt die wirksame Adrenalinmenge langsam ab. Rechtzeitig vor Ende der angegebenen Haltbarkeit sollte daher ein neues Rezept vom behandelnden Arzt geholt werden. „Haben Patienten im Notfall nur einen abgelaufenen Adrenalin-Autoinjektor zur Hand, sollte dieser trotzdem verwendet werden, solange keine Farbveränderungen oder Ablagerungen in der Injektionsflüssigkeit erkennbar sind“, so Kinderarzt Basek.

Langfristigen Schutz durch allergen-spezifische Immuntherapie

Zusätzlich zur Soforthilfe mit Adrenalin empfehlen Experten die allergen-spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung), die einen langfristigen Schutz vor den dramatischen Folgen einer schweren allergischen Reaktion bietet. „Dabei bekommt der Patient monatlich den Allergie-Auslöser über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren in den Oberarm injiziert. In anfangs steigender Dosierung, in der sogenannten Aufdosierungsphase, gewöhnt sich der Körper langsam und nachhaltig an das Insektengift. Mit Erreichen der sogenannten Erhaltungsdosis sind die Patienten mit hoher Sicherheit geschützt“, erklärt Allergie-Experte Hawranek. „Die Erfolgsrate dieser Behandlungsform beträgt bei der Wespengiftallergie zwischen 95 und 100 Prozent, bei der Bienengiftallergie liegt sie etwas niedriger. Kaum eine andere Therapieform in der Medizin ist derart effizient.“