Neue Behandlungsoption: Lutschtablette gegen Allergien 12.02.2021

Studien zeigen: Kinder, die in einer Bauernhof-Umgebung aufwachsen, haben ein deutlich geringeres Asthma-Risiko als Stadtkinder. Dieser sogenannte „Bauernhof-Effekt“ wurde nun in Form einer neuen Therapie genützt.

Ein neu entdeckter Immunmechanismus bietet seit Anfang Februar eine weitere Möglichkeit in der Behandlung von Allergien. „Er basiert auf dem sogenannten „Bauernhof-Effekt“, der besagt, dass das Leben im Umkreis von etwa 300 Metern eines Bauernhofs mit Kuhstall vor Allergien, Asthma und atopischen Sensibilisierungen schützen kann“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der MedUni Wien und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der IGAV. Studien zeigen: Kinder, die in einer Bauernhof-Umgebung aufwachsen, haben ein Asthma-Risiko von nur 1 Prozent, Stadtkinder dagegen von 12 Prozent. „In einer aktuellen Studie konnten wir erstmals nachweisen, dass ein von Kühen abgesondertes Protein, Beta-Lactoglobulin (BLG) eines der Schlüsselmoleküle für den sogenannten „Bauernhofeffekt gegen Allergien“ darstellt“, so die Expertin.

Schutzfunktion durch spezielles Protein BLG, das auch eine Haupt-Proteinkomponente in der Molke ist, war prominent im gesammelten Stallstaub als auch in der Umgebungsluft nachweisbar. Es gehört zur Proteinfamilie der Lipocaline, die wie ein natürlicher Immunschutz wirken. Jensen-Jarolim: „Lipocaline haben eine wichtige Funktion in der natürlichen Immunabwehr. Sie sind wie Taschen aufgebaut, in denen sie kleine Moleküle wie Eisen, Vitamin A und Zink binden können. Wir haben die Entdeckung gemacht, dass beladene Lipocaline wie BLG Schutzfunktionen gegen allergische Symptome verleihen, während sie unbeladen sogar allergen sein können. Basierend auf diesen Erkenntnissen haben wir die Formel für eine neue Therapie entwickelt.“

Positive Studiendaten bei Allergikern

Erste Studien bei Pollenallergikern haben gezeigt, dass sich die nasalen Symptome nach einer sechsmonatigen Einnahme gegenüber Placebo-Behandlung um 33 Prozent gebessert haben – ein ähnlich hoher Effekt wie bei einer allergen-spezifischen Immuntherapie (auch unter dem Begriff Hyposensibilisierung bekannt), aber im Gegensatz dazu, unabhängig vom Allergen. Weiters konnte gezeigt werden, dass im Vergleich zu einer nicht behandelten Allergiker-Gruppe die Gesamtheit aller Symptome um 53 Prozent reduziert werden konnte. „Auch bei Patienten mit Hausstaubmilbenallergie konnten positive Studienergebnisse erzielt werden“, berichtet Univ.-Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann von der Berliner Charité. Dazu wurden insgesamt 33 Personen mit einer seit mindestens zwei Jahre bestehenden Hausstaubmilbenallergie und Symptomen an Nase und Augen vor und nach einer dreimonatigen Einnahme in einer Expositionskammer mit dem Allergen provoziert. „Dabei zeigte sich, dass sich nach der Einnahme der Lutschtablette alle Symptome deutlich reduziert hatten. Bei den nasalen Symptomen sogar um 60 Prozent. Auch die Symptome an den Augen und den Bronchien wurden deutlich besser. Und das Ganze bei guter Verträglichkeit“, so Bergmann.

„Der Hintergrund für diese positiven Effekte ist, dass bei Allergikern die entzündungshemmenden Zellen einen intrazellulären Nährstoffmangel aufweisen. Wenn wir BLG mit seinen Taschen als Taxi nutzen, können wir die Mikronährstoffe gezielt in die Immunzellen einschleusen und das können wir molekular nachweisen“, erläutert Allergologin Jensen-Jarolim.

Die neue Lutschtablette seit 1. Februar rezeptfrei unter dem Namen immunoBON® in der Apotheke erhältlich. Apothekerin Mag. pharm. Fiona Nagele, MSc betont, dass Personen mit schweren chronischen Erkrankungen oder Menschen mit Symptomen, die bereits länger als zwei Wochen andauern, auf jeden Fall zum Arzt müssen. „Ganz besonders solche, die bereits Asthma entwickelt haben. In all diesen Fällen ist eine diagnostische Abklärung dringend erforderlich“, so Nagele.