Milbe raubt Schlaf und Lebensqualität 12.10.2017

Schlafstörungen sind bei Menschen mit einer Hausstaubmilben-Allergie häufig und sehr belastend, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Jeder Zweite klagt über schlechten Schlaf oder schnarcht, mehr als ein Drittel wacht nachts wegen seiner allergischen Beschwerden auf und jeder Vierte hat Probleme beim Einschlafen. Die Folgen: Durch den gestörten Schlaf leiden der berufliche und schulische Alltag, die Gesundheit, das soziale Leben sowie der Gemütszustand. Dazu kommt, dass sich zu Beginn der kalten Jahreszeit allergische Beschwerden verstärken und damit die Schlafqualität weiter abnimmt. Ärzte raten daher dringend zu einer raschen Abklärung und bei gesicherter Diagnose zu einer ursächlichen Behandlung der Allergie.

Hausstaubmilben zählen zu den häufigsten Allergie-Auslösern. Insgesamt leidet bereits jeder 4. Österreicher an einer allergischen Erkrankung, mehr als ein Drittel davon an einer Hausstaubmilben-Allergie. [1] Mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit – etwa jeder vierte Hausstaubmilben-Allergiker ist auch asthmakrank – und die Lebensqualität. Ganz besonders leiden Milbenallergiker unter einem gestörten Schlaf, der sie auf Dauer mitunter an ihre körperlichen und psychischen Grenzen bringen kann. Denn wer sich nachts nicht ausruhen kann, dem fehlt es am Tag an nötiger Energie. „Hausstaubmilben lieben eine warme sowie feuchte Umgebung. So ein Klima finden die Milben vor allem in unseren Betten. Schlafstörungen sind bei Milbenallergikern daher sehr häufig“, erklärt Allergie-Experte Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums (FAZ) in Wien und Mitglied im IGAV-Beirat.

Eine aktuelle Studie belegt nun, wie sehr eine Milbenallergie Nachtruhe und Leben stören. [2] Im Rahmen der Untersuchung an 189 französischen Studienzentren wurden 1.750 Hausstaubmilben-Allergiker mittels mehreren standardisierten Fragebögen vor Beginn einer spezifischen Immuntherapie (Allergie-Impfung) zu ihrer Schlafqualität befragt. Das Ergebnis: Milben sind massive Schlafräuber.

• Für die meisten (73,5% der Erwachsenen und 65,8% der Kinder) waren die Schlafprobleme so belastend, dass sie deshalb einen Arzt aufsuchten.

• Die am häufigsten beobachteten Schlafbeschwerden waren schlechter Schlaf (50,3% der Erwachsenen und 37,3% der Kinder), Schnarchen (48,1 bzw. 41,4%) und nächtliches Erwachen (37,6 bzw. 28,2%).

• Schwierigkeiten beim Einschlafen wurde von jedem Vierten angegeben (27% der Erwachsenen und 24,7% der Kinder).

Je stärker die Allergie ausgeprägt und dazu das ganze Jahr über spürbar ist, desto massiver sind die Schlafprobleme. Die Folgen: „Ein- oder Durchschlafstörungen bringen eine Vielzahl an Problemen mit sich. Allem voran Abgeschlagenheit und Müdigkeit während des Tages, was sich dann negativ auf die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit in Beruf, Schule und Freizeit auswirkt“, so Wantke. Schlafprobleme erhöhen die Unfallgefahr, sind ein Risiko für Erkrankungen (im Schlaf wird z.B. die Immunabwehr gestärkt) und drücken auf‘s Gemüt: Zu wenig Schlaf verschlechtert die Stimmung vermindert das Selbstbewusstsein und kann mitunter in eine Depression führen [3]. Schlussendlich leidet auch das Sozialleben. Die nächtlichen Schnarchgeräusche, schlechte Stimmung und erhöhte Reizbarkeit tagsüber machen auch den Mitmenschen das Leben schwer.

Herbst ist Haupt-Leidenszeit für Allergiker

Milben vermehren sich am stärksten von Mai bis Oktober. Im Spätsommer besiedeln dann bis zu zwei Millionen der lichtscheuen Tierchen unsere Bettdecken, Pölster und Matratzen. Startet die Heizperiode und wird die Luft trockener, stirbt ein Großteil der Milben ab. Die Allergene werden freigesetzt, aufgewirbelt – und eingeatmet. Dazu kommt, dass wir in der kalten Jahreszeit weniger lüften und auch mehr Zeit in Räumen verbringen. Daher spüren Allergiker dann ihre Beschwerden besonders stark.

Arzt kann helfen

Eine vor allem am Morgen verstopfte Nase ist ein typisches erstes Anzeichen einer Hausstaubmilben-Allergie. Oft werden die Beschwerden nicht als Allergie erkannt und erst Husten und Atemnot führen zu einem allergologisch geschulten Arzt, der dann die richtige Diagnose stellt. Je länger Symptome wie ein allergischer Schnupfen unbehandelt bleiben, umso mehr sinkt die Lebensqualität und die Gefahr für die Folgeerkrankung Asthma bronchiale steigt. Daher: „Eine möglichst rasche Diagnose und adäquate Therapie ist notwendig!“, appelliert der Lungenfacharzt. „Wir haben heute zahlreiche gute Möglichkeiten, eine Hausstaubmilben-Allergie zu erkennen, die Allergene zu reduzieren und die Erkrankung so zu behandeln, dass sich die Beschwerden nachhaltig bessern oder sogar verschwinden.“

Die Behandlung einer Allergie besteht aus einer Kombination von drei Säulen:

1. Allergenvermeidung (u.a. Sanierung des Wohnraums)

2. Medikamentöse Therapie zur Minderung der akuten Beschwerden (meist Kortison, da Antihistaminika bei der Hausstaubmilben-Allergie begrenzt wirksam sind)

3. Ursachenbekämpfung und langfristige Allergietherapie durch die spezifische Immuntherapie (SIT, „Allergie-Impfung“), wie z.B. die neue Milbentablette, der spezifischen Immuntherapie in Tablettenform. Typische Symptome an Augen und Nase nehmen tagsüber und nachts deutlich ab, die Tage mit starken Beschwerden und die Intensität der Symptome reduzieren sich um die Hälfte. Zudem benötigten die Anwender weniger zusätzliche Medikamente und schlafen wieder besser. Auch das Risiko einer Verschlechterung des Asthmas sinkt.

Literaturquellen

1 Hemmer W et al., Sensibilisierungshäufigkeit auf Inhalationsallergene (Pricktest, n=13.719, FAZ 1997-2007)

2 Leger D et al. Poor sleep is highly associated with house dust mite allergic rhinitis in adults and children. Allergy, Asthma & Clinical Immunology201713:36 doi.org/10.1186/s13223-017-0208-7

3 Jauregui I, Mullol J, Davila I et al. J Investig Allergol Clin Immunol 2009; 19 Suppl 1: 32-3