Immuntherapie könnte vielen Allergie-Kindern helfen 13.03.2019

Ein hoher Prozentsatz von Kindern hat Erkrankungen des allergischen Formenkreises. Bei einem Teil dieser Krankheiten könnte eine Hyposensibilisierungstherapie (Immuntherapie) sehr gute Effekte haben, sagte der Wiener Kinderfacharzt und Mitglied im IGAV-Beirat Prof. Szolt Szepfalusi im Rahmen der Apotheker-Fortbildungstagung in Schladming.

"Zehn bis 15 Prozent der Kinder im Kleinkindesalter sind von Neurodermitis betroffen. Das heißt, es kommen auf uns jedes Jahr 9.000 bis 12.000 neu zu. Die Häufigkeit der allergischen Rhinitis liegt bei 20 bis 30 Prozent die von Asthma bronchiale bei zwölf bis 15 Prozent", erklärte Szepfalusi. Nahrungsmittelallergien sowie die Insektengiftallergie mit Gefahr eines anaphylaktischen Schocks sind mit 0,5 bis zwei Prozent bzw. mit 0,5 bis einem Prozent Häufigkeit bei Kindern deutlich seltener.

"Allergie-Impfung"

An sich gibt es gute Möglichkeiten, diese Krankheiten zu behandeln. Die einzige Therapieform, die an den Ursachen ansetzt, ist die "Allergie-Impfung" (auch spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung genannt) bringt. Dabei erhält der Patient kontrolliert zunächst steigende Dosierungen des Allergens, auf das sein Immunsystem anspricht. Auf die erste Phase folgt zwei bis drei Jahre eine Erhaltungstherapie. Es erfolge zwar keine vollständige Heilung, aber die Schwere und die Häufigkeit der Symptome nehme deutlich ab, betonte der Wiener Spezialist, der die Atem- und Allergieambulanz an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, MedUni Wien leitet.

Während die Immuntherapie bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis) und bei Nahrungsmittelallergien nicht angezeigt ist, hat sie bei Insektengiftallergien mit einer Ansprechrate von bis zu 95 Prozent eine extrem gute Wirkung. Gut ist der Effekt auch bei allergischer Rhino-Konjunktivitis. In Studien wurde darüber hinaus ein positiver Effekt bei allergischem Asthma belegt.

Ehemals war die regelmäßige Injektion der Allergene unter die Haut beim Arzt die einzige Möglichkeit für eine solche Hyposensibilisierungsbehandlung. Mittlerweile gibt es mit Sublingualpräparaten (SLIT) auch orale Applikationsformen. Doch SLIT hat in der Praxis einen Nachteil: Es müssen über die jahrelange Behandlungsdauer hinweg mit täglicher Anwendung bis zu rund 1.100 Einnahmen erfolgen. Es fehlt oft ausreichender Behandlungstreue, was die Therapie unwirksam machen kann. Dem stehen 40 bis 50 Subkutan-Injektionen in der klassischen Behandlungsform gegenüber, die unter kontrollierten Bedingungen beim Arzt geschehen.