Berufswahl kritischster Faktor für Neurodermitiker 17.06.2011

Der berufliche Kontakt zu bestimmten Substanzen beeinflusst am stärksten die Fortentwicklung einer Neurodermitis bei Jugendlichen. Das hat eine Studie deutscher Forscher von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München mit fast 4.000 Probanden ergeben. Sie wurden von Kindheit an bis ins Erwachsenenalter regelmäßig hinsichtlich ihrer Hautprobleme und dem beruflichen sowie umweltbedingten Kontakt mit Reizstoffen befragt. Den Forschern zufolge geben ihre Ergebnisse Allergologen ein Instrumentarium zur besseren Beratung der Patienten an die Hand – besonders in Hinsicht auf die Berufswahl.

Ein Kleinkind, dass sich nachts selbst blutig kratzt, leidet möglicherweise an einer atopischen Dermatitis. Der extreme Juckreiz ist typisch für diese auch als Neurodermitis bekannte Hauterkrankung. Häufig tritt sie schon bei Kleinkindern auf, kann in späteren Jahren aber auch wieder von selbst verschwinden. Die Haut eines Neurodermitikers ist sehr empfindlich und reagiert stark auf äußere Reize. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bisher noch nicht geklärt. Sie entsteht aber wohl aus einem Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren. So sind etwa Tabakrauch und Hausstaub als Risikofaktoren nachgewiesen, während sich Geschwister oder sonstiger Kontakt zu anderen Kindern positiv auswirken. Neurodermitis ist in den Industriestaaten auf dem Vormarsch und betrifft nach manchen Schätzungen bis zu 20 Prozent aller europäischen Kinder.

Eine kritische Phase im Krankheitsverlauf ist oft die Pubertät. Einige Betroffene heilen in dieser Zeit spontan, während es bei anderen zu einer deutlichen Verschlechterung kommt. „Es ist bekannt, dass berufliche Faktoren eine Rolle spielen“, berichtet Radon. „Es gab aber noch keine Möglichkeit, den Verlauf der Erkrankung in späteren Jahren mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen.“

Die Daten von fast 4.000 Probanden flossen in die Untersuchung ein. So konnte der natürliche Verlauf einer Neurodermitis im Alter von 9 bis 11 und 16 bis 20 Jahren bestimmt werden. Außerdem beurteilten die Forscher um Astrid Peters und Katja Radon. Risikofaktoren in Hinsicht auf das Auftreten, das erneute Auftreten oder das Bestehen der Erkrankung im Verlauf der Adoleszenz. Etwa sieben Prozent aller Teilnehmer entwickelten eine Neurodermitis erst als Heranwachsende. Mädchen trugen ein höheres Risiko, in den Teenagerjahren zu erkranken, während unter den Kindern Jungen verstärkt betroffen sind.

„Besonders wichtig war, dass Risikofaktoren der Säuglings- und Kinderjahre generell deutlich an Einfluss verlieren“, sagt Peters. „Dazu gehört unter anderem, dass ein Kind nicht gestillt wurde, keine Geschwister hat und keinen Kindergarten besucht. In der Adoleszenz scheint nur mehr der beruflich bedingte Kontakt zu reizenden Substanzen besonders bedeutend zu sein.“ Zu den Hochrisikojobs werden Arbeiten in der Bäckerei, als Reinigungskraft oder in der Krankenpflege gezählt. „Allergologen sollten diese Ergebnisse berücksichtigen, wenn sie Neurodermitiker bei deren Berufswahl beraten", betont Peters.

dapd/wissenschaft.de 

9. September 2010