Allergischer Notfall: Wenn die Allergie lebensbedrohlich wird 29.06.2020

Der Stich einer Biene oder Wespe kann zu einer ernsten Bedrohung werden – wenn man gegen Insektengifte allergisch ist. Auch Nahrungsmittel und bestimmte Medikamente können Auslöser schwerer allergischer Reaktionen sein. Anlässlich der heurigen Welt-Allergie-Woche vom 28. Juni bis 4. Juli veröffentlicht die IGAV  dazu einen kompakten Ratgeber mit wichtigen Informationen und Tipps. Außerdem beantworten medizinische Experten im Rahmen einer Video-Serie im YouTube-Kanal des Vereins Fragen rund um Auslöser, Warnzeichen, Behandlungsmöglichkeiten und Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Allergie ist nicht gleich Allergie. Atemwegsallergien, die durch Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare ausgelöst werden, sind unangenehm und können Gesundheit und Lebensqualität stark beeinträchtigen sowie Asthma zur Folge haben. Es gibt aber auch Allergien, die das Leben bedrohen und sogar kosten können. Diese schwerste Form einer allergischen Reaktion nennt man Anaphylaxie (griechisch: ohne Schutz). Sie kann innerhalb weniger Minuten den ganzen Körper betreffen und zum gefährlichen Kreislaufschock führen.

„Bei Erwachsenen sind Insektengifte, vorwiegend von Wespen, die häufigsten Auslöser für eine lebensbedrohliche Anaphylaxie“, informiert Assoz.-Prof. Dr. Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien und Facharzt an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Graz. Aber auch Nahrungsmittel oder Medikamente können den Organismus von ansonsten gesunden Menschen völlig aus dem Lot bringen. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Erdnüsse, Nüsse und Shrimps die Hauptauslöser. „Manche dieser Nahrungsmittel-Allergien – zum Beispiel Milch, Hühnerei und Weizen – bilden sich meist innerhalb einiger Jahre zurück. Nussallergien hingegen bleiben oft lebenslang bestehen“, weiß Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szépfalusi, Leiter der Atem- und Allergieambulanz an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde an der MedUni Wien. Ab dem Volksschulalter werden auch vermehrt allergische Reaktionen auf Insektengifte (primär Bienen und Wespen) festgestellt. Medikamenten-Allergien sind bei Kindern selten.

Typische Symptome einer Anaphylaxie sind Juckreiz beginnend an Handflächen und Fußsohlen, Nesselausschlag, Schwellungen in Gesicht und Hals, Übelkeit und Erbrechen, Atem- und Schluckbeschwerden, Herzrasen und Schwindel. Sturm: „Kommt es zu einer anaphylaktischen Reaktion muss man rasch und richtig handeln. Denn weder das Ausmaß noch der Verlauf sind vorhersehbar.“ Daher ist das Mitführen von Notfall-Medikamenten, allen voran ein Adrenalin-Autoinjektor, sehr wichtig. Allergiker sowie betroffene Kinder, deren Eltern und Betreuungspersonen in Schule und Kindergarten sollten in der richtigen Anwendung dieser Medikamente informiert und gut geschult sein.

Auslöser kennen und meiden

Bei Nahrungsmittel- und Medikamenten-Allergien ist das Weglassen des Allergie-Auslösers die bisher einzige Möglichkeit, einen allergischen Notfall zu verhindern. Insektengift-Allergikern hingegen steht mit der sogenannten allergen-spezifischen Immuntherapie („Allergie-Impfung“) ein höchst effektiver Schutz zur Verfügung. Dabei wird das Allergen in langsam steigender Dosis unter die Haut gespritzt. So kann sich der Körper an das Insektengift gewöhnen.

Neuer Ratgeber und Videos der IGAV klären auf

Anlässlich der Welt-Allergie-Woche hat die IGAV einen kompakten Ratgeber und eine Video-Serie produziert, um auf Risiko und Tragweite einer allergischen Notfallsituation aufmerksam zu machen und über Warnzeichen, Behandlungsmöglichkeiten und Erste-Hilfe-Maßnahmen aufzuklären. Ab dem ersten Tag der heurigen Aktionswoche geht täglich ein neues Video im YouTube-Kanal der IGAV online: www.youtube.com/allergenvermeidung. Experten geben dabei Antworten auf wichtige Fragen.

Der kostenlose Ratgeber kann direkt bei der IGAV bestellt werden:

info(at)allergenvermeidung.org

T: 01/212 60 60

und steht zum Download auf der IGAV-Webseite zur Verfügung. „Anaphylaxien sind glücklicherweise selten. Betroffene müssen ihre Allergie, deren Auslöser und erste Warnzeichen einer allergischen Reaktion aber genau kennen“, appellieren die beiden Experten Sturm und Szépfalusi.