Allergien in Österreich: Deutlicher Anstieg seit 2012 04.10.2017

Die größte Studie zur Lungengesundheit der Bevölkerung in Österreich zeigt einen Anstieg an Allergien um 13 Prozent seit 2012. Seit diesem Jahr werden mehr als 11.000 Probanden im Alter von 6 bis 80 Jahren in einem Abstand von je vier Jahren untersucht, 7.000 Einzelfragen werden zusätzlich gestellt. Insgesamt wird der Untersuchungszeitraum zwölf Jahre lang dauern. Nun wurde eine Teilauswertung präsentiert, die "Anlass zur Besorgnis" gibt. Das sagt Prim. Sylvia Hartl, Leiterin der LEAD-Studie (Lung, hEart, sociAl, boDy) und Vorständin der 2. Internen Lungenabteilung am Otto-Wagner-Spital in Wien: „Bei der ersten Untersuchung im Jahr 2012 hatten 37 Prozent der Studienteilnehmer einen positiven Allergietest. Schon das ist ein sehr hoher Prozentsatz. Ein großer Teil dieser Gruppe hatte auch tatsächlich allergische Symptome. In der zweiten Untersuchung im Vorjahr von bisher 1.470 Studienteilnehmern zeigte sich: Der Anteil derjenigen mit einem positiven Allergietest hat gegenüber 2012 um 13 Prozent zugenommen.“

Asthmarisiko deutlich erhöht

Dies sei besorgniserregend, da eine Allergie das Risiko, Asthma zu entwickeln, enorm erhöht - und zwar gegenüber der (nicht-rauchenden) Bevölkerung ohne positiven Allergietest um knapp 80 Prozent. Schon jetzt haben knapp 15 Prozent der untersuchten Bevölkerung keine normal gesunde Lunge entwickelt, sagt Hartl: In Zukunft müsse "aufgrund der veränderten Umweltbedingungen durch den Klimawandel mit einer weiteren Zunahme von Asthmaerkrankungen gerechnet werden. Besonders von dieser besorgniserregenden Entwicklung betroffen sind Kinder und junge Erwachsene." Der Temperaturanstieg und die vermehrten Hitzewellen könnten der Auslöser für diesen Anstieg der Atemwegserkrankungen sein, so die Lungenärzte. Längere Wärme- und Hitzeperioden führen zu höheren Pollenkonzentrationen, weil Pflanzen früher und intensiver blühen. Darüber hinaus erreichen an heißen Tagen Schadstoffemissionen wie Ozon, Feinstaub und Stickoxide aus Abgasen und Industrie Spitzenwerte und belasten die Atemwege, aber auch das Herz-Kreislaufsystem.

Situation bei Kindern

Für die Lungenfachärzte beunruhigend ist auch ein weiteres Studienergebnis: „Über die Altersgruppen hinweg sind Kinder und Jugendliche mit einem Anteil von 12 Prozent stärker als ältere Menschen mit 4,5 Prozent Anteil von obstruktiven (verengte Atemwege, Anm.) Atemwegserkrankungen betroffen." Zwar gehe man, so Hartl, davon aus, dass es sich bei der Mehrzahl der kindlichen Lungenveränderungen um milde Erkrankungen handelt: „Daher wurde bisher gedacht, dass dies wenig Bedeutung für die weitere Zukunft des Kindes bzw. Jugendlichen haben wird. Wir finden allerdings bereits bei 13 Prozent der betroffenen Jugendlichen klinisch relevante Lungeneinschränkungen, die mittels Medikamenten nicht normalisiert werden können."

Priv.-Doz. Angela Zacharasiewicz, leitende Oberärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Wilhelminenspital: „Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der Zustand der Lunge in der Kindheit noch größere Auswirkungen auf die Lungengesundheit im Erwachsenenalter hat als bisher angenommen." Kinder mit einer gesunden Lunge sind als Erwachsene deutlich seltener von Lungenerkrankungen betroffen und haben eine deutlich höhere Lebenserwartung. Erste Konsequenz daraus: „Auf keinen Fall in der Gegenwart von Kindern rauchen."

Quelle: Kurier

 

Über die LEAD-Studie

LEAD steht für Lung (Lunge), hEart (Herz), sociAl (Gesellschaft), boDy (Körperkomposition). Das sind die Eckpfeiler der ganzheitlichen Langzeitstudie zur österreichischen Lungengesundheit. Ziel ist es, Ursachen und Hintergründe von Lungenerkrankungen, wie COPD und Asthma zu finden, betroffenen Personen in Zukunft neue Behandlungsmethoden zu eröffnen, sowie Lungenerkrankungen zu vermeiden. COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease; Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist eine der häufigsten Todesursachen in unserem Land und die Zahl der Erkrankten steigt stetig weiter an! Die LEAD Studie wird vom Ludwig Boltzmann Institut für COPD und Pneumologische Epidemiologie durchgeführt und ausschließlich durch Spendengelder finanziert. Mehr Info unter www.leadstudy.at