Achtung Fallobst: Gefahrenquelle für Wespengift-Allergiker 22.08.2016

Wenn das Obst reif wird, freut das nicht nur den Menschen. Reife Früchte sind auch für Wespen äußerst schmackhafte Leckerbissen. Im Spätsommer erreicht die Wespenpopulation ihren Höhepunkt, da gegen Ende August neue Wespen schlüpfen und viel Nahrung benötigen – vor allem Proteine und Kohlenhydrate. Da den Wespen nach und nach die natürliche Nahrung abhandenkommt (Blütennektar, Ausscheidungen der Blattlaus, Fliegen und Mücken etc.), stellen unsere eiweißhaltigen Speisen wie Wurst und Fleisch, Speiseeis und sonstige Süßigkeiten, Limonaden und vor allem das reife Obst zusätzliche Futterquellen für sie dar. Fühlen sich die Wespen bedroht, stechen sie zu. „Für gesunde Menschen ist ein Stich einer Wespe zwar ein schmerzhaftes, jedoch völlig harmloses Ereignis. Ein Allergiker hingegen kann bereits nach einem einzigen Stich potenziell lebensbedrohliche Reaktionen entwickeln, die die Haut, die Atemwege und das Kreislaufsystem betreffen“, erklärt Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der IGAV.

Extremfall Allergie-Schock

Allergie-bedingte Beschwerden treten innerhalb von Sekunden und Minuten auf. Charakteristische Symptome einer schweren allergischen Reaktion sind starker Juckreiz und Rötung am ganzen Körper, Nesselausschlag, Schwellungen im Gesicht und am Hals, Schwindelgefühl und Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Schluck- und Sprechbeschwerden, Husten, Atemnot bis hin zum sogenannten anaphylaktischen Schock. „Der Allergie-Schock ist die Maximalvariante einer allergischen Reaktion und führt zum völligen Zusammenbruch des Kreislaufs und in Folge zu Ohnmacht und Kollaps. Ohne sofortige Notfallversorgung mit entsprechenden Medikamenten, die der Arzt verschreibt – speziell ein Adrenalin-Autoinjektor zur Selbstinjektion – kann dieser Vorfall sogar tödlich ausgehen“, warnt Wöhrl vor den Gefahren.

Allergie-Impfung: Wirkt effektiv und langanhaltend

Todesfälle aufgrund eines Insektenstiches müssten nicht sein, denn „so gefährlich eine Insektengift-Allergie auch ist, sie ist gleichzeitig jene Allergieform, die am besten behandelt werden kann. Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist eine „Allergie-Impfung“ mit dem Ziel, den Körper an das Insektengift zu gewöhnen. Mit einer fachärztlich durchgeführten Immuntherapie erreicht fast jeder Patient einen ausreichenden Schutz und kann somit sicher vor schweren allergischen Reaktionen bewahrt werden“, so Wöhrl. „Die Erfolgsrate dieser Behandlungsform beträgt über 90 Prozent. Kaum eine andere Therapieform in der Medizin ist derart effizient. Deshalb ist auch nicht nachvollziehbar, warum nur ein Bruchteil der von einer Bienen- oder Wespengiftallergie betroffenen Patienten Hilfe bei einem auf Allergien spezialisierten Facharzt sucht. Durch Studien konnte außerdem belegt werden, dass eine abgeschlossene Immuntherapie ein Sicherheitsgefühl vermittelt, das die Lebensqualität der Patienten wesentlich verbessert.“