Kindergarten als Allergen-Quelle?
Studie zeigt hohe Konzentration von Haustier-Allergenen in Kindergärten
20 bis 30 Prozent aller europäischen Kinder leiden an einer Allergie. Meist manifestiert sich diese Überempfindlichkeit auf eigentlich harmlose Substanzen noch vor dem sechsten Lebensjahr, also im Vorschulalter. Immer mehr Kinder in diesem Alter verbringen einen Teil des Tages in Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergärten. Nun hat eine Untersuchung amerikanischer Wissenschafter gezeigt, dass in vielen Kindergärten hohe Konzentrationen von Katzen- und Hunde-Allergenen anzutreffen sind und zwar unabhängig davon, ob offensichtlich Tiere vorhanden sind. Manchmal nehmen die Kinder ihre Haustiere auch nur kurz in den Kindergarten mit, was schon zu einer anhaltend relevanten Allergenbelastung führt. Experten der IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) empfehlen, auf Allergien hinweisende Reaktionen ernst zu nehmen.
Die Allergie ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. 20-30 Prozent der Kinder sind betroffen. Im Kleinkind- und Vorschulalter werden allergische Symptome meist durch das Einatmen von Innenraum-Allergenen (v.a. Tierhaar- und Hausstaubmilben-Allergene) ausgelöst, die in relevanten Mengen fast überall anzutreffen sind: im Haushalt, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden, auf Kinositzen und in Kinderbetreuungseinrichtungen. Letzteres zeigten die aktuellen Untersuchungs-Ergebnisse eines amerikanischen Forscherteams(1). 89 Kindergärten wurden auf ihr Allergenvorkommen hin untersucht. In allen Einrichtungen wurden hohe Konzentrationen von vorwiegend Katzen- und Hunde-Allergenen ausgemacht – obwohl dort weder eine Katze noch ein Hund gehalten wurde.
„Kinder, die beispielsweise eine Katze zuhause haben, bringen deren Allergene in Form von Haaren, die sich in der Kleidung verfangen haben, mit in den Kindergarten“, klärt OA Dr. Isidor Huttegger, Leiter der Allergie- und Lungenambulanz an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde am St. Johanns-Spital Salzburg auf. „So werden die Allergene an Orte transportiert, an denen keine direkten Allergenquellen erkennbar sind.“
Allergene von Tieren verbleiben – auch wenn diese nur kurz im Raum gehalten werden – sehr lange in relevanten Konzentrationen vorhanden. Daher sollten Tiere wie Katze, Hamster aber auch Hund und Meerschweinchen den Kindergarten nicht besuchen und dort auch keinesfalls gehalten werden.
Symptome richtig erkennen
„Diese Erkenntnis ist zunächst kein Grund zur Sorge, denn für ein gesundes Kind sind diese Allergene völlig harmlos“, entwarnt Huttegger. Jedoch: „Wichtig ist aber, dass sich die Eltern und das Kindergartenpersonal der Tatsache der Allergenbelastung bewusst sind. Eventuell auftretende allergische Reaktionen sollen ernst genommen und mit einem spezialisierten Arzt oder Ambulatorium besprochen werden. Es können dann nach der Diagnose entsprechende Therapie- und Begleitmaßnahmen eingeleitet werden.“
Gerade in den Herbst- und Wintermonaten, wo die Kinder ohnehin ständig verschnupft sind, werden die Symptome häufig mit einer Verkühlung verwechselt. „Allergene reizen die Schleimhäute der Augen, der Nase oder der Atemwege und können Hautprobleme verursachen. Typische Hinweise auf eine Allergie können tränende, juckende, rote Augen, eine permanent laufende oder verstopfte Nase, Niesattacken, juckender Hautausschlag oder Atemprobleme sein“, beschreibt der Kinderfacharzt. „Je früher eine Allergie diagnostiziert und mit einer Behandlung sowie Allergenvermeidungsmaßnahmen begonnen wird, desto besser kann die Allergie in Schach gehalten und chronisches Asthma verhindert werden.“
Allergie-Auslöser auch zuhause meiden und reduzieren
Die winzig kleinen Allergene sind mit freiem Auge nicht sichtbar, weshalb es für die Eltern nicht leicht herauszufinden ist, wo sie mit der Allergenbeseitigung anfangen sollen. Huttegger: „Wichtig ist es, für einen weitgehend allergenfreien Wohn- und Schlafbereich zu sorgen.“ Milben fühlen sich bei warmer Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit am wohlsten. „Deshalb ist es wichtig, das Kinderzimmer regelmäßig zu lüften und den Feuchtigkeitsgehalt der Luft zu kontrollieren. Die optimale Luftfeuchte liegt zwischen 40 und 50 Prozent und die Raumtemperatur sollte nicht mehr als 20?C betragen.“ Im Bett finden die Spinnentiere optimale Lebensbedingungen vor: Wärme, Feuchtigkeit, Nahrung wie menschliche Hautschuppen, Schimmelpilze etc. „Atmungsaktive, jedoch milbendichte Überzüge (Encasings)(2) für Matratze, Tuchent und Polster entziehen den Milben ihre Lebensgrundlage und sorgen für ungestörte Träume“, empfiehlt Huttegger.
Die Kleidung sollte nicht im Kinderzimmer ausgezogen werden, da sie voll von Tierhaaren, sonstigen Allergenen und Hautschuppen ist. „Erwartet ein auf Tiere allergisches Kind Besuch von Freunden, die zuhause eine Katze oder ein entsprechendes Haustier haben, sollten die Gäste frisch gewaschene Kleidung anziehen“, so der Kinderfacharzt.
Da Allergene äußerst widerstandsfähig sind, sollte Bekleidung und Bettwäsche bei mindestens 60?C gewaschen werden. Für empfindlichere Textilien gibt es Waschmittel-Konzentrate mit Inhaltsstoffen wie nicht-ionisierte Tenside oder Benzylbenzoat, die Allergene auch schon bei niedrigeren Temperaturen beseitigen.
Nach dem Staubsaugen ist die Innenraumluft um etwa 50mal mehr mit schwebenden Allergenen kontaminiert als zuvor(3). Daher sollte man als Allergiker den Hausputz wenn möglich anderen überlassen und die frisch gesaugten Räume etwa eine halbe Stunde nicht betreten. Zur Allergenfilterung sind Geräte mit so genannten HEPA-Filtern am besten geeignet. Sie halten jene Allergen-Partikel zurück, welche vom normalen Staubsack durchgelassen werden.
Alle Produkte zur Allergenvermeidung sind im Sanitätsfachhandel (z.B. Bständig, Tappe, Heindl) erhältlich.
Ratgeber, Hotline und Website
Weitere praktische und äußerst hilfreiche Empfehlungen hat die IGAV im Ratgeber „Wohnen ohne Allergene“ zusammengefasst, der zusammen mit anderem Informationsmaterial und den Adressen österreichischer Allergie-Ambulanzen und -Ambulatorien kostenlos unter der Telefon-Hotline 01/212 60 60 bestellt oder aus dem Internet (www.allergenvermeidung.org) herunter geladen werden kann. |
 Kontakt für Journalisten-Rückfragen:
OA Dr. Isidor Huttegger
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
St. Johanns-Spital Salzburg
T: 0662/4482-57537
E: i.huttegger@salk.at
Fotos und Text in Printqualität gibt’s bei Elisabeth Leeb, ikp,
T: 01/524 77 90, E: elisabeth.leeb@ikp.at sowie in der Presseecke von www.allergenvermeidung.org zum Downloaden.
1 Exposure to indoor allergens in day-care facilities: results from 2 North Carolina countries. Arbes SJ, Sever M, Mehta J,
Collette N, Thomas B, Zeldin DC; J Allergy Clin Immunol 2005 Jul; 116(1):133-139.
2 Bezugsquellen der milbendichten Überzüge: www.menzl.com/bezugsquellen-acp.htm
3 The effect of vacuum cleaners on the concentration and particle size distribution of airborne cat allergen. Judith A. Woodfolk,
MB, ChB, Christina M. Luczynska, PhD, Frederic de Blay, MD, Martin D. Chapman, PhD, and Thomas A. E. Platts-Mills, MD,
PhD; J Allergy Clin Immunol April 1993
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