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Atem(be)raubendes Spinnentier


Foto: ALK-AbellóHeizung an – Luft weg. So geht’s zur Zeit rund 700.000 Österreichern, denn sie leiden an einer Hausstaubmilbenallergie. Zu Beginn der Heizperiode werden sie von ihren winzigen Widersachern besonders gepeinigt, da durch das Aufdrehen der Heizung der feine Staub aufgewirbelt wird und sich mit der Atemluft verbindet. Mit einfachen, Allergen reduzierenden Maßnahmen und einer Therapie wie der Allergie-Impfung bekommt man die Beschwerden gut in den Griff.

Jahr für Jahr dasselbe: Kaum wird die Heizung das erste Mal aktiviert, beginnen Nasen zu laufen, Augen zu tränen und Lungen zu keuchen. Schuld ist oft nicht eine Erkältung auf Grund des Wetterumschwungs, sondern ein nur 0,3 Millimeter großes Geschöpf – die Hausstaubmilbe. Sie lebt in jedem (noch so sauberen) Haushalt und ist im Grunde völlig harmlos. „Die Eiweißstoffe ihrer Ausscheidungen besitzen jedoch eine hohe allergene Potenz“, erklärt der Lungenfacharzt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp, Leiter des Ambulatoriums „Gesunde Lunge“ in Wien. „In einem Gramm Hausstaub befinden sich rund 1.000 Milben. Mit dem Aufdrehen der Heizung werden ihre Kotbällchen mit dem Staub aufgewirbelt und verbinden sich mit der Atemluft. Fließschnupfen, Niesattacken, tränende Augen und in schlimmeren Fällen Atemnot sind mögliche Folgen für sensibilisierte Menschen, wenn sie den kontaminierten Hausstaub einatmen.“

Treten Beschwerden auf, sei eine Abklärung beim Arzt oder im Allergie-Ambulatorium unbedingt notwendig, um schwere chronische Erkrankungen wie Asthma verhindern bzw. effizient behandeln zu können, empfiehlt der Allergie-Experte dringend. „Durch Allergen reduzierende Maßnahmen und eine medikamentöse Behandlung kann die Allergie so unter Kontrolle gebracht werden, dass die Betroffenen ein durchwegs beschwerdefreies Leben führen können.“

Ungemütliche Bettgenossin loswerden

Überall tummeln sich die kleinen Tierchen: auf der Couch, im Teppich, in den Vorhängen, in Kuscheltieren etc. Im Bett fühlen sich die Milben am wohlsten, und so werden die Allergene vor allem nachts im Schlaf eingeatmet. Popp rät: „Da die Belastung im Schlafzimmer am größten ist, sollte dort mit den Allergen reduzierenden Maßnahmen begonnen werden.“ Häufiges Lüften, optimale Luftfeuchtigkeit von 40-50% und eine Raumtemperatur von maximal 20°C schaffen ein ungemütliches Klima für die Milben. Weiters bringen spezielle Überzüge (1), so genannte Encasings, die auch von einigen Krankenkassen bezahlt werden, Abhilfe. Sie sind mit ACb (Allergy Control Barriere-)Membranen beschichtet, die Feuchtigkeit durchlassen, jedoch Allergene von Matratze, Tuchent und Polster fernhalten. Popp: „Die Wirksamkeit dieser Überzüge wurde in zahlreichen Studien bestätigt. Allergische Beschwerden können reduziert werden oder sogar zur Gänze verschwinden.“

Foto: Allergy Control Products„Wesentlich für eine langfristig anhaltende Besserung der Beschwerden ist, dass die Allergenvermeidung konsequent betrieben wird. Das Überziehen der Bettwäsche allein wird nicht ausreichen, um ein dauerhaft befriedigendes Ergebnis zu erzielen“, so Popp weiter. „Die Vermeidung von Tabakrauch oder Passivrauchen, optimales Raumklima, das Entfernen von Staubfängern und regelmäßiges Reinigen sind ebenso von Bedeutung.“ Dass mit einem Bündel an Maßnahmen das beste Ergebnis erzielt werden kann, belegen auch neueste Studienergebnisse (2) aus den USA. Wissenschafter untersuchten bei mehr als 900 Kindern zwischen 5 und 11 Jahren mit mittlerem bis schwerem Asthma, ob ein vielseitiges Programm, das auf die individuelle Sensibilisierung des jeweiligen Kindes zugeschnitten ist, helfen kann, die Asthma-Symptome zu verbessern. Die Familien wurden über Möglichkeiten zur Reduzierung oder Vernichtung der Allergene sowie über die Vermeidung von Passivrauch informiert. Bereits nach drei Monaten konnte eine signifikante Reduktion der Asthma-Symptome festgestellt werden.

Allergie-Impfung

„Allergien dürfen nicht unterschätzt werden. Aus dem zunächst einfach nur lästigen Schnupfen kann mit der Zeit eine chronische Atemwegserkrankung werden“, warnt Lungenfacharzt Popp. „Bleibt die Allergie unbehandelt, ist es außerdem wahrscheinlich, dass der Organismus auf immer mehr eigentlich harmlose Stoffe wie Gräserpollen oder Katzenhaare reagiert.“ Diese Neu-Sensibilisierung kann durch die Allergie-Impfung (auch Spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung genannt) weitgehend verhindert werden (3), wenn sie frühzeitig angewandt wird. Die Allergie-Impfung steht neben der Symptom-Bekämpfung als wichtigste therapeutische Maßnahme zur Verfügung. Es geht darum, die Überreaktion Schritt für Schritt in den Griff zu bekommen, bis der Körper keine allergische Reaktion mehr zeigt. Popp erklärt: „Eine geringe Dosis des Allergie-Auslösers wird im Abstand von mehreren Wochen injiziert. Die Konzentration wird dabei allmählich gesteigert – das Immunsystem so zusagen auf das Allergen trainiert – bis sich der Körper schließlich an das Allergen gewöhnt.“

Speziell für Kinder und Menschen, die Angst vor Spritzen haben, wurde die sublinguale Therapie entwickelt, bei der der Allergen-Extrakt täglich unter die Zunge getropft wird. Schon nach ein paar Monaten ist der Erfolg deutlich spürbar.



Kontakt für Journalisten-Rückfragen:

Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang POPP
Gesunde Lunge – Institut für Atemwegs und Lungenkrankheiten
Schloßhoferstraße 13, 1210 Wien
Tel: 01/2716549 oder 0664/1050363
Email:wolfgang.popp@wienkav.at



(1) Bezugsquelle der milbendichten Überzüge: www.menzl.com/allergenvermeidung_acb_ueberzuege.htm
(2) N Engl J Med 2004: 351; 1068-1080. Allergen Avoidance to Reduce Asthma-Related Morbidity. Wayne J. Morgan et al.
(3) Clinical and Experimental Allergy 2001: 31, 1392-1397. Prevention of new sensitizations in asthmatic children monosensitized to house dust mite by specific immunotherapy. A six-year follow-up study. G. B. Pajno et al.



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