Kohlendioxid gegen Heuschnupfen
Millionen von Heuschnupfengeplagten könnten in Zukunft von einer ungewöhnlichen neuen Behandlungsmethode profitieren, und das praktisch ohne Nebenwirkungen: Durch die alleinige einmalige Gabe von Kohlendioxid in jedes Nasenloch können die Beschwerden der Betroffenen nämlich deutlich gelindert werden, das berichten amerikanische Forscher im Journal of Allergy and Clinical Immunology. Kohlendioxid könnte damit als sicheres und schnell wirksames Medikament gegen die akuten Beschwerden bei einer Pollenallergie eingesetzt werden.
Derzeit gebe es keine Medikamente, die Heuschnupfen schnell lindern und auf Dauer sicher angewendet werden können, erklärt Studienleiter Thomas Casale von der Creighton-Universität. Auf der Suche nach einer wirksamen Alternative zu Medikamenten wie Cortison untersuchten Casale und seine Kollegen 89 Heuschnupfen-Patienten, die bereits mindestens zwei Jahre an einer behandlungsbedürftigen Pollenallergie litten. Zwei Dritteln von ihnen wurde einmalig Kohlendioxid in jedes Nasenloch geblasen, ein Drittel erhielt normale Raumluft als Placebo. Die Patienten sollten dabei das Gas nicht inhalieren, sondern während der Anwendung durch den Mund atmen. Anschließend befragten die Allergologen die Probanden nach ihren Symptomen.
Patienten, die mit Kohlendioxid behandelt wurden, berichteten bereits zehn Minuten nach der Gasspülung über eine deutlich freiere Nase und weniger Niesen als die Placebo-Gruppe. Diese Verbesserungen hielten über die nächsten 24 Stunden an. Außerdem berichtete die Kohlendioxid-Gruppe über etwas weniger juckende und tränende Augen als die Vergleichsgruppe, wobei diese Unterschiede jedoch statistisch nicht signifikant waren. Insgesamt verbesserten sich die Heuschnupfensymptome bei zumindest der Hälfte aller Patienten, die mit Kohlendioxid behandelt worden waren, nach 30 Minuten um 50 Prozent. In der Placebo-Gruppe gab dagegen nur ein Viertel an, dass die Beschwerden nur noch halb so stark seien wie vorher.
"Die Ergebnisse zeigen, dass Kohlendioxid eine vielversprechende, zugleich sichere und effektive Behandlungsmethode bei Heuschnupfen sein könnte“, sagt Casale. Außer einem leichten Brennen und Stechen beim Einblasen spürten die Patienten keine Nebenwirkungen. Die Behandlung könnte daher eine gute Alternative zu cortisonhaltigen Medikamenten darstellen, die manche Patienten ungern nehmen oder auf Dauer schlecht vertragen. Die nasale Gabe von Kohlendioxid hat sich auch schon bei Migräne als erfolgreich erwiesen. Diese wird durch ähnliche Mechanismen ausgelöst wie die Symptome von Heuschnupfen. Wie genau diese Effekt zustande kommen, können die Forscher noch nicht sagen. Sie vermuten jedoch, dass das Gas den für Empfindungen an den Schleimhäuten zuständigen Trigeminusnerv beruhigen und die Produktion von Substanzen hemmen könnte, die die Blutgefäße in der Nase beeinflussen.

Intranasal noninhaled carbon dioxide for the symptomatic treatment of seasonal allergic rhinitis; Thomas B. Casale MD, Francisco A. Romero MS and Egilius L.H. Spierings MD, PhD; Journal of Allergy and Clinical Immunology, Article in Press, doi:10.1016/j.jaci.2007.08.056
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