Gräsertablette ab jetzt erhältlich!
Allergiker können aufatmen: Die höchst Erfolg versprechende Gräsertablette ist nun auch für Österreichs (erwachsene) Gräserpollenallergiker verfügbar. Die neue Behandlungsoption ist eine Allergie-Impfung in Tablettenform, die das Immunsystem trainiert sich wieder an den Allergieauslöser zu gewöhnen. Die neuesten Studienergebnisse lassen auf eine anhaltende Wirkung auch im 2. Jahr der Behandlung schließen.
Etwa ein Viertel der österreichischen Bevölkerung leidet an einer Allergie. Häufigster Auslöser ist der Blütenstaub (Pollen) der heimischen Gräser, die Jahr für Jahr über einer Million Österreichern von Mai bis August den Sommer verleiden. Die neue Allergie-Impfung in Tablettenform wird zahlreichen österreichischen Gräserpollenallergikern das Leben deutlich erleichtern.
Die neuesten Ergebnisse des größten Studienprogramms, das je im Bereich der spezifischen Immuntherapie durchgeführt wurde, geben einmal mehr Anlass zur Freude: Die Heuschnupfen-Symptome (rinnende Nase, Niesen, juckende Augen, Husten) werden während der zweiten Pollensaison um 36% (p<0,0001) über den Placeboeffekt hinaus verringert und gleichzeitig wird der Bedarf an symptomlindernden Medikamenten (Antihistaminika, Kortisonpräparate) um 46% (p<0,0001) reduziert. Die entsprechenden Werte aus der Pollensaison 2005 waren 33% beziehungsweise 35%. Diese neuen Studiendaten dokumentieren die zunehmende Besserung der allergischen Beschwerden nach zwei Behandlungsperioden und unterstützen die Erwartungen einer anhaltenden Wirkung der Gräsertablette auch nach Ende der empfohlenen dreijährigen Behandlung. Die Studie wird noch weitergeführt, um noch mehr Daten zur Langzeit-Sicherheit und -Wirksamkeit zu erhalten.
Im Gespräch zeigt sich Prim. Dr. Waltraud Emminger, Ärztliche Leiterin des Allergie-Ambulatoriums Rennweg in Wien, von den Vorteilen der neuen Gräsertablette überzeugt.
Wie funktioniert die spezifische Immuntherapie?
Das Immunsystem lernt in den ersten Lebensjahren eine Toleranz, beispielsweise gegenüber Nahrungsmitteln, zu entwickeln. Bei Allergikern funktioniert diese Toleranzentwicklung nicht ausreichend. Sie reagieren auf Substanzen, die dem Immunsystem überhaupt nicht schaden würden und wehren sie ab. Die Immuntherapie versucht, diese Toleranzentwicklung nachzuholen. Das Immunsystem reift nach und lernt, dass Stoffe wie Pollen oder Nahrungsmittel unschädlich sind und es nicht dagegen ankämpfen muss. Dabei wird das Allergen wiederholt unter die Haut gespritzt oder – wie im Fall der Gräsertablette – einfach unter die Zunge gelegt und die Schleimhaut übernimmt Teile aus diesem Allergen.
Weshalb ist der frühzeitige Therapiebeginn so wichtig?
Aus einer harmlosen Pollenallergie, die am Anfang Beschwerden an Augen und Nase verursacht, entwickelt sich bei vielen Patienten häufig leider auch allergisches Asthma. Es kommt zu einer Verstärkung der Symptome und die Therapie, die anfangs gut hilft, wirkt nicht mehr ausreichend. Die Allergie sucht sich andere Bahnen, wie eben die Lunge und es kommt zu chronischen Atembeschwerden. Eines muss man auch wissen: Ist die Lunge einmal betroffen, kommt es zu irreversiblen Umbauvorgängen in den Atemwegen, zum so genannten Remodelling, das auch mit der besten Therapie nicht mehr umkehrbar ist. Wenn wir es also in der Hand haben, überhaupt zu verhindern, dass dieser Vorgang einsetzt, haben wir gewonnen. Das ist aber noch nicht alles. Es können sich auch Allergien gegen weitere Allergene entwickeln. Es geht also darum, ein Ausweiten und eine Verstärkung von Symptomen sowie das Auftreten von Komplikationen zu unterbinden. Durch die neue Gräsertablette kann man im besten Fall verhindern, dass Asthma entsteht oder dass sich das Allergenspektrum ausweitet.
Worin sehen Sie die besonderen Vorteile der neuen Gräsertablette?
Seit über 15 Jahren gibt es neben der subkutanen auch die sublinguale (unter der Zunge) Immuntherapie in Tropfenform. Diese Tropfen haben schon einiges an Bequemlichkeit gebracht, da die Patienten nicht mehr wegen einer Injektion zum Arzt gehen müssen. Die Tropfen sind relativ niedrig konzentriert. Mittlerweile wissen wir auf Grund von Studien, die mit der Gräsertablette durchgeführt wurden, dass die Dosis eine ganz wesentliche Bedeutung für den Erfolg der Therapie hat. Die Gräsertablette enthält Gräserpollen in einer viel höheren Konzentration. Die Behandlungsergebnisse sind deshalb gleichzusetzen mit denen der subkutanen Immuntherapie. Außerdem ist die Tablette praktisch: Die Tropfen waren üblicherweise zu kühlen bzw. vor allzu großer Hitze zu schützen. Die Tablette muss nicht gekühlt werden (was besonders im Urlaub komfortabel ist). Man kann sie in der Brief- oder Handtasche mit sich tragen bzw. zuhause einnehmen.
Das heißt, es wird einer viel größeren Patientengruppe die Möglichkeit gegeben, eine kausale Therapie durchzuführen?
Ja, so ist es. Man darf auch nicht vergessen, dass es nicht nur Kinder, sondern genügend Erwachsene gibt, die Angst vor Injektionen haben. Früher sind wir auf die Tropfen ausgewichen. Mit der neuen Gräsertablette haben wir nun eine echte Alternative zur Impftherapie.
Zu welchem Zeitpunkt sollte mit der Therapie begonnen werden?
Die Patienten sollten zumindest zwei, besser aber drei bis vier Monate vor der erwarteten Gräserpollensaison mit der täglichen Einnahme beginnen. Das bedeutet, wenn man jetzt mit der Therapie beginnt, kann man schon diesen Mai einen sehr guten (auch immunologisch nachweisbaren) Erfolg beobachten.
Wie lange sollte die Therapie fortgesetzt werden?
Optimal ist es, die Gräsertablette drei Jahre lang durchgehend einzunehmen. Wir haben aber gesehen, dass die Therapietreue nachlässt, sobald sich die Symptomatik verbessert. Dann wird oft auch ganz gern einmal auf die Einnahme vergessen. Daher kann man auch kurz vor der Gräsersaison, also ab Jänner/Februar, mit der Behandlung beginnen und sie bis Ende der Pollensaison, etwa Ende August, durchführen. Nach einer Winterpause sollte die Behandlung im Frühjahr wieder aufgenommen werden.
Wer kann mit der Gräsertablette behandelt werden?
Erwachsene ab 18. Natürlich muss man eine Gräserpollenallergie haben, die sich in Form von Augen- und/oder Nasensymptomen äußert. Auch Allergiker mit saisonalem Asthma, also Asthma das während der Gräserpollenzeit auftritt, können mit der Gräsertablette therapiert werden. Für Menschen mit schwerem Asthma ist die Gräsertablette nicht geeignet.
Wird die Therapie von den Krankenkassen bezahlt?
Davon gehen wir aus. Im Moment ist die Gräsertablette noch in der Roten Box. Das heißt, die Verordnung bedarf einer Chefarztbewilligung. Aber da bisher alle Therapien der spezifischen Immuntherapie – vorausgesetzt die Diagnose und Erstverschreibung wurden vom Facharzt durchgeführt – von der Krankenkasse refundiert wurden, ist davon auszugehen, dass das auch bei dieser Form der Immuntherapie passieren wird.
Mehr Infos über die Allergie-Impfung gibt’s im neuen, kostenlosen Ratgeber der IGAV. Zu bestellen unter 01/212 60 60 oder zum Herunterladen aus dem Internet: www.allergenvermeidung.org (Downloads). Dort finden Sie unter anderem auch eine aktuelle Liste aller österreichischen Allergie-Ambulatorien und Allergie-Ambulanzen.
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