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Immer mehr Birkenpollenallergiker


foto: ALK-AbellóDie heurige Pollensaison war bisher recht mild. Sie begann lt. Prof. Siegfried Jäger, Biologe und Pollenexperte am AKH Wien, um elf Tage später als im Durchschnitt der letzten drei Jahrzehnte und fiel großteils schwächer aus als üblich. Die erste Belastungswelle durch Eschen- und Birkenpollen ist fast vorbei, Zeit für eine Verschnaufpause bevor die Gräser zu blühen beginnen. Was Wissenschaftler erstaunt: Alljährlich gibt es mehr Menschen, die speziell auf Birkenpollen reagieren. In der Allergieambulanz der HNO-Klinik im Wiener AKH wurde in den letzten 20 Jahren ein 50 %iger Anstieg an Neuerkrankungen beobachtet. Mittlerweile sind die Hälfte aller Patienten mit Pollinose Birkenpollenallergiker. Studien internationaler Wissenschaftler zeigen klar, dass Patienten mit frühzeitiger fachärztlicher Diagnose und konsequenter Immuntherapie (SIT) die besten Therapieerfolge aufweisen.

Die heurige Birkenpollensaison ist relativ moderat ausgefallen. Laut Messungen an der HNO-Klinik am AKH-Wien hat sie erst mit mehrtägiger Verspätung begonnen und ist regional sehr unterschiedlich ausgefallen. „Während die Saison der Birkenpollen im Donauraum teils recht heftig ausgefallen ist, blieb sie in den übrigen Regionen meist weit hinter den Saisonen der beiden letzten Jahre zurück“, so Prof. Siegfried Jäger, Biologe und Pollenexperte an der HNO Klinik der Medizinischen Universität Wien.

Der Anteil jener Allergiker, die auf Birkenpollen reagieren stieg in den letzten 20 Jahren lt. HNO-Klinik der Uni Wien von 35 % auf 50 % aller Pollenallergiker an. Jäger dazu: „Sicher ist, dass der Anteil an Birkenpollenallergikern steigt, während Gräserpollenallergien kaum zunehmen. Ob die Birkenpollen aggressiver werden, oder die Menschen anders reagieren ist nicht klar. Birkenpollen sind zwar mit 5 – 25 % Jahresanteil ein wesentlicher Faktor unseres Pollenspektrums, aber sicher nicht der häufigste Prototyp. Da sind Pollen von Brennnessel, Kiefer, Fichte und in Stadtgebieten Platane weit häufiger.“

Ignoranz ist gesundheitsschädigend

Noch immer gibt es viele Allergiker, die ihre Beschwerden als zwar lästiges, aber temporär begrenztes Problem sehen und keine ärztliche Therapie in Anspruch nehmen. Das mag ein Grund für die steigende Zahl an Patienten mit allergischem Asthma sein. Sind doch fachärztliche Beratung und frühzeitige Diagnose die ersten wichtigen Grundlagen für den späteren Therapieerfolg. Speziell mit der spezifischen Immuntherapie (SIT) – die bei Birkenpollenallergien nachweislich eine sehr hohe Wirksamkeit zeigt[1] – sollte möglichst frühzeitig begonnen werden, um den optimalen Therapieerfolg zu erzielen.

Studie stellt Unterversorgung hinsichtlich SIT fest

Eine Studie des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung in Berlin[2] untersucht erstmals die Gründe, warum Patienten erst verspätet zur SIT kommen und welchen Einfluss dies auf dem Therapieerfolg hat. Die Wissenschaftler befragten 6.791 Patienten mit Pollenallergie in 180 allergologisch tätigen Facharztpraxen in ganz Deutschland. Sie wurden nach ihrer Behandlungsvorgeschichte und zum Erfolg der laufenden SIT befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Anteil der Patienten mit Besserung der Beschwerden am höchsten lag, wenn der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns zum optimalen Zeitpunkt erfolgte. Ein zu später Behandlungsbeginn wurde bei 7.8 % der Probanden konstatiert. Bei diesen Patienten lag der Therapieerfolg um rund 10 % niedriger. Grund für den späten Start mit der SIT sind zum einen langwierige Vorbehandlungen mit negativem Erfolg und mangelnde Überweisungspraxis zu Fachärzten.

Die Wissenschaftler sehen aufgrund der Ergebnisse eine Unterversorgung von Allergiepatienten hinsichtlich der SIT. Als Grund wird angenommen, dass Schnittstellenprobleme im ambulanten Versorgungssystem von Allergiepatienten zu Verzögerungen im Therapiestart führen, was wiederum negative Auswirkungen auf den Therapieerfolg bewirkt. Die Allergie kann jedoch nur gestoppt werden, wenn der Patient so früh wie möglich einer eingehenden Diagnose und einer konsequenten kausalen Therapie zugeführt wird.

Weitere Infos unter www.alk-abello.at
Informationen zur aktuellen Pollensituation unter www.pollenwarndienst.at

Die zitierten Studien können für persönliche Zwecke kostenlos unter info@at.alk-abello.com oder 0732/38 53 72 angefordert werden:

[1] vgl. Monica B. Arvidsson et.al. Sahlgrenska University Hospital, Göteborg: Effect of 2-year placebo-controlled immunotherapy on airway symptoms and medication in patients with birch pollen allergy;J Allergy Clin Immunol 2002; 109: 777-83.
[2] Hans-Dieter Nolting, et.al., IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung, Berlin: Patientenkarrieren und Behandlungsverläufe vor Beginn einer spezifischen Immuntherapie (SIT) bei Patienten mit allergicher Atemwegserkrankung; Allergo J 2003: 12: 512-8.



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