über_allergien

Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung
Medizinischer Beirat
Werden Sie Mitglied
News-Archiv ab 2007
News-Archiv ab 2005
News-Archiv bis 2004
Newsletter
download
Links
Impressum
www.menzl.com
www.alk-abello.at
Der Verein Über Allergien Allergenvermeidung Presse-Ecke Kontakt

Allergiefalle Schlafzimmer


Schlafendes Mädchen, foto: ALK Abello „Mini-Ökosystem“ im Kopfpolster kann Nachtruhe trüben

Jede Nacht teilen wir unser Bett nicht nur mit Lebenspartner bzw. Kuscheltier sondern auch mit zigtausend mikroskopisch kleinen Tierchen und Parasiten. Denn: Hausstaubmilben und Schimmelpilze fühlen sich im feucht-warmen Klima des Schlaf- bzw. Kinderzimmers besonders wohl. Kein Problem für gesunde, alarmierend für allergische Menschen. Ständiger Kontakt mit den Allergie-Auslösern kann die Beschwerden verschlimmern und sogar Asthma zur Folge haben. Um das zu verhindern, muss ärztliche Hilfe gesucht und die Allergenbelastung in den Schlafräumen deutlich und konsequent reduziert werden.


Die Heizperiode ist eine unangenehme Zeit für Menschen mit einer Allergie gegen Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze. Denn durch das Aufdrehen der Heizung werden die Allergenpartikel, die sich im Hausstaub ablagern, aufgewirbelt und eingeatmet. Für Allergiker stellt dieser permanente Kontakt ein Gesundheitsrisiko dar, das leider zu oft unterschätzt wird. „Da die Beschwerden sehr stark einer Verkühlung ähneln, wird die Allergie vor allem in der kalten Jahreszeit häufig mit einem grippalen Infekt verwechselt und dadurch oftmals ignoriert bzw. falsch therapiert. Bleibt die allergische Erkrankung jedoch unbehandelt, kann sich die Entzündung ausbreiten und in Richtung Lunge wandern“, so Prim. Dr. Peter Ostertag, Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde am Bezirkskrankenhaus Kufstein. Die Wahrscheinlichkeit einer Ausdehnung der Entzündung beträgt bei einer Pollenallergie etwa 40%. „Bei Innenraumallergien, wie z.B. Allergien gegen Milben, scheint das Risiko einer Ausdehnung des allergischen Schnupfens auf die Lunge sogar noch höher zu sein und bis zu 63% zu betragen[1]. Die Gefahr an chronischem Asthma zu erkranken, ist bei einer Milbenallergie deshalb besonders hoch und darf keinesfalls unterschätzt werden“, warnt Ostertag vor einer Verharmlosung.

Bettgenossin Hausstaubmilbe

Milbe bunt, foto: ALK Abello In unseren Betten wimmelt es. Vielen ist dieser Umstand nicht bewusst, denn Hausstaubmilben sind mikroskopisch kleine, für das menschliche Auge unsichtbare Tiere, die Matratzen, Pölster, Tuchenten oder Kuscheltiere zu Tausenden bevölkern. Das Bett bietet für die achtbeinigen Spinnentiere ideale Lebensbedingungen, da sie das Licht scheuen, feucht-warmes Klima lieben und sich von unseren Hautschuppen ernähren. Durchschnittlich befinden sich in einem Gramm Hausstaub rund 1.000 Milben und an die 25.000 Kotbällchen, die sich mit der Atemluft verbinden und die Auslöser der Hausstaubmilbenallergie darstellen. „Wenn der eiweißhältige Kot von Allergikern eingeatmet wird, bildet der Körper Abwehrstoffe. Das kann Beschwerden wie eine verstopfte oder laufende Nase, Niesreiz, gerötete, juckende Augen sowie Atemprobleme zur Folge haben“, beschreibt Ostertag die Beschwerden. „Ein allergischer Schnupfen verursacht durch Hausstaubmilben wird aber auch häufig verkannt, da in der Regel „nur“ eine verstopfte Nase vorliegt.“

„Mini-Ökosystem“ im Kopfpolster

Britische Wissenschafter entdeckten, dass auch Millionen Pilzsporen unsere Schlafstätten besiedeln. Das Forscherteam rund um Ashley Woodcock von der Universität Manchester berichtet von einem „Mini-Ökosystem“, das in den Polstern ausgemacht wurde: Menschliche Hautschuppen sind Hauptnahrungsquelle für Milben. Um diese zu verdauen, benötigen sie Pilze, die sich wiederum vom Kot der Milbe ernähren - der Kreislauf schließt sich[2].

Schimmel, foto: Panthermedia Die Behandlung von Allergien fußt im Wesentlichen auf drei Säulen: Linderung der Symptome durch Medikamente, Bekämpfung der Ursache durch die Allergie-Impfung und die Vermeidung bzw. Reduktion der Allergene.

Allergenreduktion: Wie man sich bettet, so liegt man

Da nachts und unmittelbar nach dem Aufstehen die Beschwerden am stärksten sind, sollte im Schlaf- bzw. Kinderzimmer mit Allergen reduzierenden Maßnahmen begonnen werden. Experten raten Allergikern milbendichte Bettbezüge zu verwenden. Diese „Encasings“ bilden eine Barriere gegen die Allergenpartikel in den Polstern, Tuchenten und Matratzen und können somit nicht eingeatmet werden. „Die Wirksamkeit guter Überzüge wurde in zahlreichen Studien bestätigt und ist deshalb eine besonders effektive Maßnahme zur Allergenreduktion. Wichtig ist es darauf zu achten, dass die Überzüge auf Dauer milbendicht, schweißdurchlässig und atmungsaktiv [3] sind“, so der HNO-Arzt. Ganz wesentlich ist, die Allergenreduktion umfassend und langfristig zu betreiben. „Die alleinige Verwendung von Überzügen ist meist zu wenig [4]. Nur ein Bündel an Maßnahmen kann auch tatsächlich zur Linderung der Beschwerden beitragen [5].“

Dabei steht auf der Liste ganz oben, die Staubbelastung konstant minimal zu halten. Also weg mit Staubfängern wie Teppiche, Teppichböden, Polstermöbel und schweren, nicht waschbaren Vorhängen. Diese sollten durch leicht zu reinigendes Mobiliar und glatte Fußböden ersetzt werden. Wer nicht auf Teppiche verzichten will, sollte sie regelmäßig mit speziellen Sprühlösungen behandeln, damit Milben ausgetrocknet und Allergene vernichtet werden. Auch das Raumklima trägt wesentlich dazu bei, ob die Nächte wieder erholsam werden. Die Luftfeuchtigkeit im Schlafbereich soll 40 bis 50% nicht übersteigen und bei einer Raumtemperatur von maximal 20º Celsius macht man den Milben das Leben zusätzlich schwer. Häufiges Lüften, die Vermeidung von Tabakrauch oder Passivrauch helfen ebenfalls, Beschwerden langfristig zu minimieren. Da Allergene äußerst widerstandsfähig sind, sollten Bettwäsche, Schlafsäcke und Kuscheltiere regelmäßig bei mindestens 60?C gewaschen werden.

Kleidung bitte nicht im Schlafzimmer ausziehen, da Tierhaare und Hautschuppen, die Hauptnahrung der Milben sind, daran haften bleiben. Konnte das Haustier (v.a. die Katze) als Auslöser der Beschwerden identifiziert werden, ist die Trennung trauriges Muss. Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis die Allergene aus der Wohnung verschwunden sind.

Bei einer Schimmelpilzallergie sollten Topf- und Hydrokulturpflanzen aus den Schlafräumen entfernt werden. Schimmlige Wände müssen – ab einem Befall von mehr als 0,5 m2 vom Fachmann – saniert werden.

Symptome lindern und die Ursache bekämpfen

Prim. Dr. Peter Ostertag, foto: Privat Parallel zu den Maßnahmen zur Allergenvermeidung kommen Medikamente zum Einsatz. Neben bewährten Wirkstoffen, die Symptome abschwächen (z.B. Antihistaminika, Kortison), haben Allergiker mit der Allergie-Impfung (spezifische Immuntherapie) eine gute Chance, ihre Beschwerden nachhaltig zu bessern. Die Allergie wird damit sozusagen mit ihren eigenen Waffen geschlagen: Eine definierte Dosis des Allergie-Auslösers wird in regelmäßigen Abständen injiziert oder unter die Zunge getropft. Die Dosis wird dabei allmählich gesteigert – der Körper so zusagen auf das Allergen trainiert – bis der Körper schließlich nicht mehr krankmachend auf das Allergen reagiert.

Mit der Allergie-Impfung steht Allergikern eine Möglichkeit zur Verfügung, nicht allein die Symptome zu lindern, sondern auch die Ursache der Allergie zu bekämpfen. „Die Wirkung der spezifischen Immuntherapie wurde bereits in zahlreichen Studien dokumentiert“, informiert Ostertag. Sie ist besonders bei Insektengift- und bei Pollenallergie erfolgreich, kann aber auch bei Hausstaubmilbenallergie und Tierhaarallergie gute Resultate bringen. „Eine neue Studie zeigte nun, dass diese Therapieoption bei Asthmatikern den Kortisonbedarf bis zu 90% reduzieren kann [6].“

Tipps und Infos bei der Patientenorganisation IGAV
Praktische und äußerst hilfreiche Empfehlungen sind auf der Homepage www.allergenvermeidung.org des Vereins Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV) sowie im Ratgeber „Wohnen ohne Allergene“ zusammengefasst. Kostenlos erhältlich unter der T: 01/212 60 60


1 Toccaceli F., Rotigliano G., Bruno G., Mancini G., Vacca F., Bonini S.: Occurrence of asthma in patients with allergic rhinitis. Prognostic value of clinical and laboratory test. Respiration, 42 (suppl. 1): 77, 1981
2 Woodcock A et al.: Fungal contamination of bedding. Allergy, 2006 Jan;61(1):140-2
3 Bezugsquelle der milbendichten Überzüge: Im medizinischen Fachhandel wie. Z.B. Bständig, Tappe, Heindl
4 Woodcock A et al: Control of Exposure to Mite Allergen and Allergen-Impermeable Bed Covers. N Engl J Med 2003: 349
5 Wayne J. Morgan et al: Results of a Home-Based Environmental Intervention among Urban Children with Asthma. N Engl J Med 2004: 351; 1068-1080
6 Blumberga G et al: Allergy 2006; 61: 843–848



created by m/s design