Pressegespräch am 22. Februar 2006 im ORF Radiocafé in Wien
In aller Munde: Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten Neuer Ratgeber der IGAV informiert über die reizende Verwandtschaft bei Kreuzallergie
Immer mehr Menschen achten sehr auf ihre Ernährung und beobachten Zusammenhänge zwischen ihrem Befinden und den konsumierten Lebensmitteln. „Fast jedes medizinische Symptom wurde bereits mit Nahrungsmittel-Allergien in Verbindung gebracht“, weiß Univ.-Prof. Dr. Christof Ebner, Leiter des Allergie-Ambulatoriums am Reumannplatz Wien, aus Erfahrung. „Tatsache ist, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten sind häufig. Etwa 20% der erwachsenen Bevölkerung leiden inzwischen daran. Es muss allerdings zwischen („echten“ bzw. durch Kreuzreaktionen ausgelösten) Nahrungsmittel-Allergien und der Nahrungsmittel-Intoleranz („Pseudoallergie“) unterschieden werden.“ Bei einer Nahrungsmittel-Allergie wird das Immunsystem aktiv und bekämpft fälschlicherweise harmlose Eiweißstoffe aus Lebensmitteln.
Die Intoleranz hingegen ist eine nicht durch das Immunsystem gesteuerte Reaktion. Univ.-Prof. Dr. Reinhart Jarisch, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums, Wien: „Die klinischen Symptome sind denen einer allergischen Erkrankung ähnlich und können somit leicht verwechselt werden.“ Intoleranzen sind zahlenmäßig ebenso bedeutsam wie allergisch bedingte Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten: „Maximal 10% der Menschen, die Nahrungsmittel nicht vertragen, leiden an einer „echten“ Nahrungsmittelallergie, 40% reagieren kreuz mit anderen Allergenen und bei 50% sind vorwiegend Fructose-, Histamin- oder Laktose-Intoleranz schuld an den Beschwerden.“
Immer mehr Nahrungsmittel-Allergiker
Echte Nahrungsmittel-Allergien sind zwar die seltenste Form von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, haben aber parallel zu den Atemwegsallergien in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Etwa 1-2% der Erwachsenen und rund 5% der Kinder sind betroffen. Insbesondere die heute übliche vielfältige Ernährung führt zu vermehrtem Kontakt mit möglichen Allergieauslösern.
Böse Überraschung Kreuzallergie
Nahrungsmittel-Allergien des Jugendlichen und Erwachsenen beruhen meistens auf einer so genannten Kreuzreaktion mit inhalativen Allergenen (v.a. Pollen). Durch den Anstieg der Pollenallergien kam es naturgemäß auch zu einer Zunahme an pollenassoziierten Kreuzreaktionen mit Nahrungsmitteln. Vor 15-20 Jahren litten rund 17% der Heuschnupfen-Patienten auch an Nahrungsmittelallergien. Heute sind es bereits knapp 60%.
Von einer Kreuzallergie spricht man, wenn der Körper nicht nur auf ein Allergie auslösendes Protein (z.B. aus Birkenpollen) reagiert, sondern auch auf ähnliche allergene Proteine anderer (verwandter wie auch nicht verwandter) Arten. „Proteine von Tier- oder Pflanzenarten, die vermeintlich überhaupt nichts miteinander gemein haben, können die gleiche Allergie auslösende Struktur besitzen, sie gehören zur gleichen Familie (z.B. Allergene aus Birkenpollen und Kirsche). Das Immunsystem reagiert auf Grund der ähnlichen Beschaffenheit der Molekularstruktur nach erfolgter Erstsensibilisierung (z.B. mit Pollen) bereits beim Erstkontakt mit einem verwandten Molekül (z.B. aus der Kirsche) ebenfalls mit allergischen Symptomen. Eine Kreuzallergie ist somit immer Folge einer bereits vorhandenen Allergie“, erklärt der Wiener Molekularbiologe Univ.-Prof. Dr. Heimo Breiteneder.
Jetzt neu: IGAV-Ratgeber Kreuzallergie
Kreuzallergien können gefährlich werden, weil man diese Verwandtschaft der Allergene meist nicht ahnt und sie deshalb auch nicht meiden kann. Wer also bereits an einer Inhalationsallergie (z.B. gegen Pollen) leidet, sollte deren „Familienverhältnisse“ kennen, um sich vor Kreuzreaktionen in Acht nehmen und mögliche Anzeichen richtig deuten zu können. Nicht jede mögliche Kreuzreaktion muss im Einzelfall tatsächlich relevant sein. In der Tabelle des neuen Ratgebers der IGAV „Kreuzallergie: Reizende Verwandtschaft von (vorwiegend) Pollen und Lebensmitteln“ (liegt der Pressemappe bei) sind deshalb nicht nur die miteinander verwandten Allergene gelistet. Sie enthält auch, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie auftreten. Allergiker sollten über diese Zusammenhänge und ihr persönliches Risiko Bescheid wissen, um auf potenziell auftretende Reaktionen vorbereitet zu sein. Diese Kenntnis kann einen langen Leidensweg ersparen.
Informationsmaterial und den neuen Ratgeber „Kreuzallergie: Reizende Verwandtschaft von (vorwiegend) Pollen und Lebensmitteln“ gibt’s bei: IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) Tel: 01/212 60 60
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