Forscher sagen Traubenkraut-Allergie den Kampf an
Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Während sich auch in Österreich das aus
den USA eingeschleppte und für Allergiker sehr gefährliche Traubenkraut - auch als "Ragweed" bekannt - rasant ausbreitet, arbeitet ein Forschungsteam
der Universität Salzburg an einem nebenwirkungsarmen Impfstoff, der Patienten ganz gezielt vor den Pollen dieses Unkrauts schützen soll.
Derzeit werde der neue Impfstoff, der sowohl gegen Traubenkraut als auch den verwandten Beifuß helfen soll, am Tiermodell sowie an humanen Zellen
getestet, erläuterte die Biochemikerin Fatima Ferreira im Gespräch mit der APA. Sie arbeitet gemeinsam mit einem Team der Universität Salzburg sowie
Partnern aus dem In- und Ausland an dem vom FWF geförderten Allergieforschungsprojekt. Bis der neue Impfstoff die klinischen Tests
durchlaufen könne, werde es rund fünf Jahre dauern, erklärte die Wissenschafterin.
Aggressive Allergene
Traubenkraut produziert sehr aggressive Allergene - und das in großen Mengen. Es gilt als "Pollenschleuder". In den USA reagieren bereits 50 Prozent der Allergiker mit massiven Symptomen auf dieses Unkraut. Eine einzige Pflanze kann bis zu einer Milliarde Pollen pro Saison erzeugen. Die Pollen verbreiten sich über Distanzen von bis zu 400 Kilometern, weiß die Biochemikerin. Traubenkraut blüht von Mitte August bis Ende Oktober. Das ist eine Zeit, in der Allergiker, die auf Blüten oder Gräser reagieren, kaum mehr Symptome haben. Die Pollensaison verlängert sich durch den neuen Allergieauslöser für Betroffene bis in den Spätherbst hinein.
In Europa verbreitet sich die vor einigen Jahren eingeschleppte Pflanze von Ungarn kommend in Richtung Westen. Im vergangenen Jahr wurden in Bayern 10.000 Pflanzen gefunden, erzählte Ferreira. Die Zahl jener Menschen, die auf Ragweed-Pollen mit Juckreiz, Niesen, geschwollenen Augen oder Asthma reagieren, steigt von Jahr zu Jahr stark an. Untersuchungen am AKH Wien haben gezeigt, dass 30 Prozent der Allergiker, die auf Beifuß reagieren, auch Traubenkraut nicht vertragen. Deshalb arbeiten die Wissenschaftler unter Hochdruck an einer Wirkstoffkombination, die gegen beide Unkrautarten unempfindlich macht.
Nebenwirkungen reduzieren
Dabei werden künstlich hergestellte Allergene in Bakterien produziert, erläutert Ferreira. Es geht den Wissenschaftern darum, die Oberflächen der Allergene so zu verändern, dass sie vom Immunsystem nicht sofort als schädlich erkannt werden. Ziel dieses aufwändigen Verfahrens ist es, die gefährlichen Nebenwirkungen - die bis hin zu einem allergischen Schock gehen Dosen eines Impfstoffs notwendig. Deshalb ist es wichtig, dass die Nebenwirkungen gering sind und genau bei jenen Pollen angesetzt wird, gegen die der Patient Abwehrreaktionen hat.
Viele Impfstoffe, die derzeit eingesetzt werden, verwenden ein Mix an Allergenen. In dieser Mischung sind auch Allergene, gegen die der Patient eigentlich gar nicht immunisiert werden müsste. Möglichkeiten zu finden, die einen gezielteren Einsatz der Impfstoffe erlauben, ist Teil der Arbeit des Salzburger Forscherteams.
APA - Austria Presse Agentur, 17. Mai 2005
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