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Bald Impfung für alle Allergien


foto: HAL-AllergyÖsterreichische Ärzte haben mit maßgeschneideter Therapie bei Birkenpollen Erfolg.

"In zwei bis drei Jahren sollte ein Impfstoff für Birkenpollen auf dem Markt sein", hofft Rudolf Valenta (AKH Wien): "Aber es geht nicht nur um Birke, das Prinzip ist verallgemeinbar und sollte in vernünftiger Zeit Impfstoffe für alle Allergen-Quellen ermöglichen."
Das Prinzip dieses Impfstoffs ist seine Reinheit. Bei bisherigen Immuntherapien, die den Körper für Allergien rüsten sollen, verwendet man Extrakte aus der Natur - also etwa aus Birkenpollen -, deren Zusammensetzung oft nicht bekannt ist und die deshalb manchmal auch Schaden anrichten. "Jetzt weiß man zum ersten Mal, was in der Spritze drinnen ist", erklärt Valenta, der im Rahmen eines FWF-Projekt und in internationaler Kooperation mit gentechnischen Mitteln reine und exakt definierte Allergene herstellt und getestet hat.
Die haben keine überschießende Wirkung, wie sie oft beim Einsatz von Natur-Extrakten vorkommt. In klinischen Studien hat sich der neue Impfstoff gut bewährt, und zwar sowohl beim ersten Pollenflug der Saison wie bei dessen gefürchteter Folge: Der Körper hat ein Gedächtnis und reagiert in einem "boost" immer stärker.

foto: ALK-AbellóImmunsystem vor sich geschützt

"Unser Impfstoff fängt das Allergen an der Nasenschleimhaut ab", berichtet Valenta: "Damit kommt der boost erst gar nicht auf. Das ist so, wie wenn man einen Allergiker drei Jahre irgendwo hin schickt, wo es absolut keine Allergen-Quellen gibt. Dann ist das Gedächtnis für den boost weg." Aber nicht nur Patienten sollen profitieren - ein Viertel aller Menschen leidet an einer Allergie-, auch die Grundlagenforschung kommt durch die jetzigen Befunde weiter:"Bisher hatten wir nur eine schlechte Vorstellung davon, wie eine Immuntherapie funktioniert", erläutert Valenta. "Nun wissen wir, dass sich wirklich einer Impfung gleich kommmt. Sie löst eine schützende Antwort des Immunsystems aus."
Geschützt werden muss es sich vor sich selbst: Bei Allergien des Typs I reagiert das Immunsystem auf Allergene mit einer Überproduktion von bestimmten Antikörpern (IgE). Durch die neue Impfung wird sie verhindert, was schon leidenden Allergikern Erleichterung verschaffen und gar keine neuen mehr in die Arztpraxen führen könnte: Valenta denkt an vorbeugende Impfung.


Die Presse, 10. August 2004

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