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25% aller Hausstaubmilben-Allergiker sind asthmakrank


foto: Alk-AbellóVerschnupfte Nasen und rote Augen sind zu Beginn der kalten Jahreszeit ganz normal. Allerdings sind nicht nur falsche Kleiderwahl oder ein Grippevirus schuld am rasant ansteigenden Taschentuchverbrauch. Rund 700.000 Österreicher leiden besonders zu Beginn der kalten Jahreszeit unter der achtbeinigen, lichtempfindlichen Verwandten von Zecke und Spinne: die Hausstaubmilbe. Ein Winzling, der großen Schaden anrichten kann. Unbehandelt geht der anfänglich lästige allergische Schnupfen schnell in folgenschweres chronisches Asthma über.

Zu Beginn der kalten Jahreszeit ist die Belastung durch die Allergene der Hausstaubmilbe am größten. Die Symptome sind denen eines grippalen Infektes sehr ähnlich, weshalb die allergischen Beschwerden leicht mit einer Verkühlung verwechselt werden. „Hausstaubmilben sind nach den Pollen der zweithäufigste Auslöser einer allergischen Reaktion“, so der Wiener Lungenfacharzt Prim. Dr. Norbert Vetter.Nicht das Spinnentier selbst löst Allergien aus, sondern ihre Ausscheidungen besitzen eine hohe allergische Potenz.

Durch das Heizen werden die Milbenpartikel ständig aufgewirbelt und gelangen so auf die Schleimhäute der Augen, Nase und Atemwege. „Der Körper sensibilisierter Menschen reagiert mit der Ausschüttung des Entzündungsstoffs Histamin“, erklärt Vetter. „Die Folgen sind eine verstopfte oder rinnende Nase, Niesattacken und juckende Augen.“

Bleibt der allergische Schnupfen (medizinisch: Rhinitis) unbehandelt, breitet sich die Entzündung aus und wandert von Augen und Nase in Richtung Lunge – wo sie deutlich mehr Schaden anrichten kann. „Ein Viertel aller Hausstaubmilben-Allergiker sind asthmakrank“, so der Lungenfacharzt. „Es gilt also, eine Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern. Deshalb dürfen anfängliche Symptome keinesfalls unterschätzt werden. Es gibt heute zahlreiche gute Möglichkeiten, Allergene zu reduzieren und eine Allergie so zu behandeln, dass sich die Beschwerden nachhaltig bessern bzw. verschwinden.“

Behandlung beginnt im Schlafzimmer
Da die Milbe das Licht scheut, Wärme sowie hohe Luftfeuchtigkeit liebt und sich von unseren Hautschuppen ernährt, fühlt sie sich in Polstermöbeln, Teppichen, Vorhängen, Kuscheltieren und vor allem im Bett pudelwohl. Wir teilen unsere Schlafstätte Nacht für Nacht mit Tausenden kleinen Spinnentieren. Vetter: „Nachts und unmittelbar nach dem Aufstehen sind die Beschwerden von Hausstaubmilbenallergikern am stärksten, weshalb im Schlafzimmer mit Allergen reduzierenden Maßnahmen begonnen werden sollte.“ Eine besonders effektive Maßnahme, Milben ihre Lebensgrundlage zu entziehen und die Allergene aus dem Bett zu verbannen, sind spezielle Überzüge (Encasings), die den Kontakt mit dem Allergie auslösenden Milbenkot verhindern. „Wichtig ist es darauf zu achten, dass die Überzüge auf Dauer milbendicht und Schweiß durchlässig sind“, empfiehlt Vetter.

Die meisten Allergene sind gut wasserlöslich und viele thermolabil: Bettwäsche sollte deshalb wöchentlich mit mindestens 60°C gewaschen werden und der Teddy eine Nacht pro Monat in der Gefriertruhe verbringen. Ein entsprechendes Raumklima ist ein weiterer Garant dafür, dass sich die Milben aus dem Staub machen. Vetter: „Bei einer Senkung der Luftfeuchte unter 50% durch regelmäßiges Lüften und einer Zimmertemperatur von maximal 20°C wird’s für die Milbe ungemütlich.“ Weiters sollte der Hausputz nach Möglichkeit anderen überlassen werden. „Wenn’s nicht anders geht, bitte mit Mundschutz putzen und Staubsauger mit Allergenfilter verwenden.“ Der Erfolg der Sanierungsmaßnahmen kann mittels spezieller Tests, die den Allergengehalt messen, kontrolliert werden.

foto: PrivatDauerhafte Besserung nur durch konsequente Allergenvermeidung
„Damit die Besserung der Beschwerden anhält, müssen Maßnahmen zur Allergenbeseitigung langfristig und vor allem umfassend durchgeführt werden “, bringt Vetter amerikanische Studienergebnisse auf den Punkt. „Ein Matratzenüberzug allein bringt auf Dauer nicht die notwendige Abnahme an Allergenbelastung .“ Auch die Verabschiedung von ungesunden Lebensgewohnheiten trägt maßgeblich zur Symptomverbesserung und zum allgemeinen Wohlbefinden bei. „Eine Allergie sollte Anlass sein mit dem Rauchen aufzuhören“, appelliert Lungenfacharzt Vetter.

Symptome lindern, Ursache bekämpfen
Sind die Allergene großteils beseitigt und die Symptome trotzdem noch stark beeinträchtigend, kommen Medikamente zum Einsatz. Neben bewährten Wirkstoffen, die Symptome abschwächen, haben Allergiker mit der Allergie-Impfung (spezifische Immuntherapie) eine gute Chance, ihre Beschwerden nachhaltig zu bessern.

Die Allergie wird damit sozusagen mit ihren eigenen Waffen geschlagen: Eine geringe Dosis des Allergie-Auslösers wird im Abstand von mehreren Wochen vorzugsweise injiziert oder unter die Zunge getropft. Die Dosis wird dabei allmählich gesteigert – der Körper so zusagen auf das Allergen trainiert – bis sich der Körper schließlich an das Allergen gewöhnt. Vetter: „Mit der spezifischen Immuntherapie werden nicht allein die Symptome gelindert, sondern es wird auch die zugrunde liegende Ursache bekämpft, wodurch in etwa 70% der Fälle dauerhafte Erleichterung erreicht und Asthma verhindert werden kann.“ Eine kürzlich publizierte Studie belegt einmal mehr die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit dieser Behandlungsmethode bei Hausstaubmilbenallergikern.

Tipps und Infos beim Allergieverein IGAV
Bei der IGAV-Hotline 01/212 60 60 können kostenlose Ratgeber sowie eine Liste der österreichischen Allergie-Ambulanzen und -Ambulatorien bestellt werden.




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