Gräsertablette für Kinder kommt
Beim diesjährigen Kongress der „European Academy of Allergology and Clinical Immunology“ (EAACI) in Barcelona wurden die erfolgreichen Ergebnisse einer klinischen Studie über die Wirkung der Gräsertablette bei Kindern zwischen 5 und 16 Jahren mit Heuschnupfen (allergische Rhinitis) und allergischem Asthma präsentiert. Die Studie (GT-12) zeigte, dass die Gräsertablette zusätzlich zu den Heuschnupfen-Symptomen auch Asthmasymptome signifikant reduziert. Die Zulassung der sublingualen Immuntherapie für Kinder wird noch in diesem Jahr in Österreich erwartet.
Die GT-12-Studie untersuchte die Wirkung der Gräsertablette [1] in Kombination mit der symptomatischen Medikation im Vergleich zur alleinigen symptomlindernden Therapie auf ihre Fähigkeit, Symptome einer allergischen Rhinitis sowie eines allergischen Asthmas zu reduzieren. Die Studie ergibt eine Reduktion des kombinierten Asthma Symptom Scores um 64% und belegte somit eine signifikante Verringerung von Asthmasymptomen bei Kindern wie Husten, Keuchen, Kurzatmigkeit/Brustkorbverengung (Dyspnoe) sowie anstrengungsinduzierte Symptome. Die Tage, an denen die Studienteilnehmer asthmatische Beschwerden aufwiesen, konnten durchschnittlich um 67% reduziert werden.
Die Studienergebnisse zeigten außerdem, dass bei Einnahme der Gräsertablette weniger Kinder Asthmamedikamente benötigten, als jene, die ausschließlich einer symptomatischen Therapie unterzogen wurden. Allerdings waren diese Ergebnisse statistisch nicht signifikant. „Die Ergebnisse sind aber deswegen besonders relevant, da Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen mit Symptomen an Nase und Augen) als Indikator für eine spätere Entwicklung von Asthma bekannt ist. Demnach laufen Heuschnupfenpatienten, die an allergischem Asthma leiden Gefahr, dass sich die Symptome verschlechtern und sich ein klinisch diagnostiziertes Asthma entwickelt“, so Prof. Albrecht Bufe, Forschungsleiter der Studie. „Die sublinguale Immuntherapie stellt daher besonders für junge Patienten, deren Symptome noch nicht ausreichend mit den vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten unter Kontrolle gebracht wurden, eine neue Behandlungsalternative dar“, setzt Bufe fort. Zudem demonstrierte die Studie, dass die Gräsertablette Heuschnupfen-Symptome um 28% und die Notwendigkeit der Einnahme von symptomlindernden Medikamenten während der Gräserpollensaison um 65% reduzierte [2].
Die Ergebnisse sind vergleichbar mit den Resultaten des größten klinischen Studienprogramms bei Erwachsenen, das jemals im Bereich der spezifischen Immuntherapie durchgeführt wurde und zur europäischen Marktzulassung des Produktes im Jahr 2006 führte. Die Gräsertablette für Kinder befindet sich in Europa derzeit im Zulassungsprozess. Eine Genehmigung der Gräsertablette für die Behandlung von Kindern wird in Österreich noch in diesem Jahr erwartet.
Korrelation zwischen Rhinitis und Asthma
Es ist bekannt, dass ein Teil der Erwachsenen und Kinder, die bereits an einer Form von Allergie leiden, wie z.B. gegen Gräserpollen (die häufigste Allergie), ein höheres Risiko haben, weitere Allergien sowie Asthma bronchiale zu entwickeln. Dieses Phänomen nennt man „allergischer Marsch“, der das Fortschreiten der klinischen Manifestation einer Allergie beschreibt. Aus diesem Grund kann die Entwicklung allergischer Erkrankungen lebenslange Auswirkungen auf die Lebensqualität haben.
Richtlinien empfehlen daher die Behandlung von Allergien sowie die Beobachtung anderer Symptome, die die unteren Atemwege betreffen. Symptomlindernde Medikamente (z.B. Antihistaminika, Kortisonpräparate) zielen alleine darauf ab, allergische Beschwerden vorübergehend unter Kontrolle zu halten, behandeln aber nicht die Ursache der Allergie.
Die Gräsertablette bekämpft als erste spezifische Immuntherapie in Tablettenform die zugrunde liegende Ursache und nicht nur die Symptome. Nur die Allergieimpfung hat das Potenzial, Beschwerden langfristig zu bessern [3]. Mehrere kontrollierte Studien haben zudem die zusätzlichen Vorteile der spezifischen Immuntherapie in der Behandlung von Asthmasymptomen sowie in der Vorbeugung der Entstehung weiterer Allergien und Asthma gezeigt [4, 5]. Insbesondere zeigte Novembre et al., dass die sublinguale Immuntherapie nach drei Jahren nicht nur Symptome des saisonalen Schnupfens, sondern auch die Entwicklung saisonalen Asthmas bei Kindern mit Heuschnupfen verbessert [6].
Während die Langzeitstudien mit der Gräsertablette nach wie vor laufen, zeigen die Ergebnisse der GT-12-Studie mit der Gräsertablette bei Kindern eine signifikante Wirkung auf Asthmasymptome, die die Erwartungen, den allergischen Marsch zu stoppen, stützen.
Über die Gräsertablette
Gräserpollenallergien stellen ein wachsendes Gesundheitsproblem mit deutlicher sozialer Belastung dar. Mindestens 75 Millionen Menschen in den USA und Europa leiden an einer Allergie gegen Gräserpollen, die sich in Form von allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) oder allergischem Asthma – bzw. beidem – äußert. Dem Großteil der Patienten wird ausschließlich eine symptomlindernde Medikation angeboten, die zwar allergische Beschwerden vorübergehend unter Kontrolle halten, nicht aber die Allergie selbst behandeln. Zudem beschreiben laut einer Untersuchung der European Federation of Allergy and Airway Diseases Patients Associations (EFA) 60-68% dieser Patienten, dass die symptomatische Therapie „überhaupt nicht wirkt“ oder deren „Symptome nur mäßig lindert“ [7].
Die Gräsertablette ist eine schnell-lösliche Tablette, die einmal täglich vom Patienten zuhause verabreicht wird. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Gräsertablette wurde im größten Studienprogramm untersucht, das je im Bereich der Immuntherapie durchgeführt wurde.
1 Hinweis für medizinische Fachmedien: Grazax®
2 Verwendung eines Schwellenwerts von 30 grains/m³
3 Linneberg A, Nielsen NH, Madsen F, Frolund L, Dirksen A, Jorgensen T. Increasing prevalence of specific IgE to aeroallergens in an adult population: two cross-sectional surveys 8 years apart: the Copenhagen Allergy Study. J Allergy Clin Immunol 2000;106(2):247-52
4 Bousquet J, Van Cauwenberge P, Khaltaev N. Allergic rhinitis and its impact on asthma. J Allergy Clin Immunol 2001;108(5 Suppl):S147-334
5 Jacobsen L CT, Anderson P, Valovirta E, Dahl R, de Monchy J. The co-morbidity of allergic hay fever and asthma in randomly selected patients with respiratory allergic diseases. Allergy 2002;57(23).
6 Novembre E, Galli E, Landi F, Caffarelli C, Pifferi M, De Marco E, et al. Coseasonal sublingual immunotherapy reduces the development of asthma in children with allergic rhinoconjunctivitis. J Allergy Clin Immunol 2004;114(4):851-7
7 EFA web site. 2008.
XXVII Congress of the European Academy of Allergology and Clinical Immunology
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