Experten rufen auf, Heuschnupfen ernster zu nehmen
Allergische Rhinitis betrifft jeden fünften Europäer und sollte sowohl von den Betroffenen selbst, als auch von den Fachleuten ernster genommen werden – so die Allergiespezialisten Marcus Maurer und Torsten Zuberbier von der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Deutschland. Trotz klarer diagnostischer Richtlinien und effektiver Behandlungsmöglichkeiten wird die Erkrankung allergische Rhinitis in Europa signifikant unterdiagnostiziert und untertherapiert. "Allergische Rhinitis wird offensichtlich häufig sowohl von Patienten als auch von Ärzten verharmlost", erläutern sie im Journal Allergy. Man müsse sich mit dieser Tatsache beschäftigen, um die große Belastung zu mindern, die allergische Rhinitis auf den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes darstellt.
Um zu verstehen, warum Menschen in Europa so wenig medizinische Unterstützung für ihre Allergien in Anspruch nehmen, führten Maurer und Zuberbier eine auf Internet und Telefon basierende Umfrage mit 3000 Personen aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien durch. Die Allergologen fanden dabei heraus, dass etwa zwei Drittel der Befragten an Außenraumallergien - wie zum Beispiel Heuschnupfen – litten. Ein Fünftel hatte allergische Reaktionen auf Innenraumallergene - wie z.B. auf Schimmel oder Hausstaubmilben. "Menschen mit Rhinitis-Symptomen warten zu lange, bevor sie zum Arzt gehen", sagen die Forscher. Tatsächlich sagten die Befragten oft selbst, dass sie ihre Symptome selbst diagnostiziert, jedoch mit einer medizinischen Behandlung solange gewartet hätten, bis die Beschwerden unerträglich wurden. Nur etwas mehr als die Hälfte (52.6%) der Befragten hatte in den letzten 12 Monaten einen Arzt aufgesucht, während fast ein Drittel (30.2%) es vorzog, sich selbst mit rezeptfreien Medikamenten zu versorgen. Weitere 26,2% der von Heuschnupfen betroffenen Studienteilnehmer sagten aus, dass sie keine oder homöopathische Heilmittel verwendet hätten. Schlüsselgründe für Nicht-Einnahme von Medikamenten oder Verwendung "alternativer Therapien" seien zu hohe Kosten von Allergie-Medikamenten oder Symptome, die nicht schwer genug waren um eine Behandlung zu rechtfertigen, gewesen. Einige Studienteilnehmer glaubten überdies, dass Allergie-Medikamente nicht effektiv seien, Nebenwirkungen hätten oder süchtig machen würden.
"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten ihre Erkrankung solange nicht erst nehmen, bis sie dazu gezwungen sind. Darüber hinaus besteht mangelndes öffentliches Gesundheitsbewusstsein zu dieser Thematik", erklären Maurer und Zuberbier. Sie fordern daher mehr Eigenitiative von praktischen Ärzten sowie eine bessere Aufklärung der Bevölkerung im Hinblick auf Diagnose und Behandlung von allergischer Rhinitis. "Alle Betroffenen - von Patienten über Politiker bis zu Leistungserbringern in der Gesundheitspflege - müssen allergische Rhintis ernster nehmen", so die Wissenschaftler abschließend.

Undertreatment of rhinitis symptoms in Europe: findings from a cross-sectional questionnaire survey;
M. Maurer, T. Zuberbier;
Allergy 2007, 62 (9), 1057-1063.
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