Immer mehr Allergien auf Soja
Soja und Sojaprodukte erfreuen sich steigender Beliebtheit. Die rein pflanzlichen und proteinreichen Produkte werden nicht mehr nur von Veganern
und Vegetariern besonders geschätzt. Zunehmendes Ernährungs- und Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung hat Sojaproukten in den letzten
Jahren einen wahren Boom beschert, nicht zuletzt, da es der Sojaindustrie - die laufend neue Sojavariationen auf den Markt bringt, gelungen ist, die
gesundheitlichen Vorteile der Wunderbohne gewinnbringend zu propagieren. Mit der steigenden Beliebtheit von Sojaprodukten häufen sich allerdings auch
Berichte über Unverträglichkeitsreaktionen, das berichtet ein Team von Wissenschaftlern des Floridsdorfer Allergiezentrums FAZ in der neuesten Ausgabe von Facharzt - Dermatologie.
Einer Untersuchung des eigenen Patientenkollektivs zufolge seien Fälle von Sojaallergien in den letzten Jahren auf mindestens das Fünffache gestiegen.
Zumeist handle es sich um eine sekundäre Nahrungsmittelallergie, bedingt durch eine Kreuzreaktion mit dem Hauptallergen der Birke. Echte
Sojaallergien - ohne co-existierende Birkenpollensensibilisierung - seien relativ selten und vermehrt bei atopischen Kleinkindern zu finden.
"Bei etwa 20% der sensibilisierten Birkenpollenallergiker können sich nach dem Genuss von Sojaprodukten auch tatsächlich allergische Symptome zeigen",
sagt Dozent Wolfgang Hemmer, einer der Forscher des Teams und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der IGAV. "Wir müssen daher davon ausgehen, dass
etwa 100.000 Menschen in Österreich eine klinisch potentiell relevante Kreuzsensibilisierung gegenüber Soja aufweisen", so Hemmer weiter. Während
die meisten birkenpollenassoziierten Nahrungsmittelallergene üblicherweise hitzeempfindlich sind, scheint das Hauptallergen der Sojabohne
vergleichsweise hitzestabil zu sein, so dass auch gekochte oder gebratene Sojaprodukte allergische Symptome verursachen können. "Die Symptome sind
dabei nicht selten auch systemisch und erfordern eine sofortige ärztliche Behandlung", fügt Hemmer hinzu.
Für einen Großteil der Reaktionen sollen Sojadrinks verantwortlich gewesen seien. Seltener und meist mit milderen Reaktionen reagierten die Probanden
auf Tofu, Sojasprossen, Sojadesserts oder Sojajoghurt. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass die Darreichungsform für diese Unterschiede mit
verantwortlich sein könnte, da flüssige Sojaprofukte schneller bioverfügbar seien. Das Forscher-Team untersuchte daraufhin verschiedene am Markt
befindliche Sojamilch-Produkte auf ihre Allergenität . Dabei zeigte sich, dass trotz gewisser Schwankungen im Proteingehalt alle Produkte vergleichbar
starke Hauttestreaktionen auslösten. Fermentierte Produkte wie Sojasauce und Miso, in denen keine Allergene mehr nachgewiesen werden konnten, sowie Sojaöl, Sojamargerine und Sojalezithin seien aus allergologischer Sicht jedoch eher unbedenklich.
"Vor dem Hintergrund der steigenden Beliebtheit von Sojaprodukten ist es wichtig, auf die Kreuzreaktivität zwischen Birke und Soja verstärkt
hinzuweisen", schlussfolgert das Forscher-Team. Im Zweifelsfall sollte eine Soja-Sensibilisierung mittels Haut- und Bluttestung ärztlich abgeklärt
werden.

Sojaallergie - die Schattenseite der Wunderbohne
Jung P, Jarisch R, Hemmer W
Facharzt Dermatologie, Juli 2007
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