über_allergien

Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung
Medizinischer Beirat
Werden Sie Mitglied
News-Archiv ab 2007
News-Archiv ab 2005
News-Archiv bis 2004
Newsletter
download
Links
Impressum
www.menzl.com
www.alk-abello.at
Der Verein Über Allergien Allergenvermeidung Presse-Ecke Kontakt

 


Insektengiftallergie: Reaktionen nach Stichen, Inhalation und Nahrungsaufnahme


foto: privatVelden, 5. Juni 2004: Im Rahmen des Wörthersee-Symposiums „What’s new in Allergy“ referierte Dr. Wolfgang Hemmer vom Floridsdorfer Allergiezentrum FAZ über den derzeitigen Stand der Dinge zu den Insektengiftallergien. Insekten sind sowohl hinsichtlich Individuen- als auch Artenzahl mit über 750 000 Species die erfolgreichste Tiergruppe der Erde. Allergische Reaktionen auf Insekten können, so Hemmer, sowohl nach Insektenstichen als auch nach Inhalation oder Nahrungsaufnahme von Insektenproteinen auftreten.

Unter den Stechinsekten sind Bienen und Wespen die wichtigsten Auslöser. Nach einem Hornissenstich liegt in fast allen Fällen bei allergischen Reaktionen eine primäre Wespengiftallergie vor. Entgegen einem verbreiteten Irrglauben sind Hornissenstiche nicht wesentlich giftiger als Wespen- oder Bienenstiche, Hornissenstiche könnten aber mit einem höheren Risiko besonders schwerer Reaktionen verbunden sein, möglicherweise wegen der größeren Menge an injiziertem Gift. Auch Hummeln, nahe Verwandte der Honigbiene, können stechen, wenngleich sie dies nur selten tun. Neuere Ergebnisse belegen die Existenz spezifischer Allergien gegen Hummelgift bei fehlender Kreuzreaktion mit Bienengift sowie, vor allem in südlichen Ländern, spezifische Sensibilisierungen gegen Papierwespen bei fehlender Kreuzreaktivität mit anderen Wespen. Die nahe mit den Wespen verwandten Ameisen sind in Österreich, abgesehen von wenigen Fallberichten, allergologisch nicht relevant, wohl jedoch in anderen Erdteilen. Solenopsis Invicta, foto: Peter GreenDie Feuerameise beispielsweise wurde Anfang der 30er Jahre aus Südamerika in die USA eingeschleppt und ist mittlerweile trotz intensiver Bekämpfungsmaßnahmen über die gesamten südlichen Bundesstaaten verbreitet. Sie verursacht jährlich Sachschäden in Höhe von mehr als 3 Mrd. USD und kann sowohl schwere toxische Hautreaktionen als auch potentiell fatale Anaphylaxien auslösen. Auch aus Australien und Asien wurden in den letzten Jahren zunehmend Allergien gegen verschiedene Ameisen - Myrmecia spp. und Pachycondyla spp. - berichtet.

Zahlreiche blutsaugende Insekten, wie Gelsen, Bremsen, Kriebelmücken, und Gnitzen, können lokale, selten aber systemische Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. Neue vergleichende Studien konnten die günstige Wirkung von H1-Rezeptorantagonisten in der Unterdrückung von allergischen Hautreaktionen auf Stechmückenstiche bestätigen. Systemische Reaktionen auf blutsaugende Insekten sind sehr selten, aber beispielsweise für Bremsen und Stechmücken gut dokumentiert. Vergleichsweise häufig treten schwere anaphylaktische Reaktionen in den südlichen USA und Mittelamerika nach Stichen von Raubwanzen auf.

Insekten sind auch potente Auslöser von Inhalationsallergien, vor allem bei beruflicher Exposition, etwa bei Tierzüchtern, Wissenschaftlern oder Bäckern, sowie bei Tierhaltern und Anglern. Im Gegensatz zu den USA dürften Schaben in Europa nur selten eine Rolle als Auslöser von Inhalationsallergien in der Allgemeinbevölkerung spielen. Die klinische Bedeutung anderer ubiquitärer Haushaltsinsekten - z.B. Silberfischchen, Fliegen oder Motten - ist unklar. Routinetestungen mit diversen Insektenextrakten bei Atopikern ergaben Sensibilisierungsprävalenzen von bis zu 30%. Zum Teil ist dies Folge einer Kreuzreaktivität mit dem Hausstaubmilbenallergen Der p 10, Tropomyosin, das in sehr ähnlicher Form in praktisch allen Insekten vorkommt.foto: Archiv Patienten mit einer Tropomyosinsensibilisierung reagieren im Allergietest in der Regel mit vielen verschiedenen Insektenextrakten - ein Umstand der als „Insekten-Panallergie“ bezeichnet wird - und weisen außerdem häufig eine Unverträglichkeit von Shrimps, Schnecken und Muscheln auf, die ebenfalls dieses Allergen enthalten.

Die orale Aufnahme von Insektenallergenen ist bei der Konsumation von Honig gegeben. Obwohl Honigallergien meist durch Pollenallergene – hier spielt etwa die Kreuzreaktion von Sonnenblume und Beifuß/Ragweed eine wichtige Rolle - verursacht sind, dürften auch bienenspezifische Allergene beteiligt sein. Möglicherweise besteht hier eine direkte Querverbindung zur Gelee royal-Allergie. Gut dokumentiert sind Unverträglichkeitsreaktionen auf den roten Farbstoff Carmin, auch Cochenillerot oder E120 genannt, der aus Schildläusen gewonnen wird und in Kosmetika wie z.B. Lippenstiften und Rouge aber auch diversen Lebensmitteln wie z.B. Campari eingesetzt wird.


Dr. Wolfgang Hemmer am 5. Juni 2004 beim Wörthersee-Symposium „What’s new in Allergy“ in Velden

created by m/s design