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Spitzenforschung in Salzburg: Allergiegenen auf der Spur


foto: ArchivDie stark steigende Zahl der Allergiker in der Bevölkerung hängt zu einem großen Teil mit den heute hohen Hygienestandards zusammen. Diese These gilt heute als international anerkannt und wird zu einem wesentlichen Teil auch durch Untersuchungen des Salzburger Allergieforschers Josef Riedler von den Landeskliniken Salzburg gestützt. Riedler fand in den vergangenen Jahren heraus, dass Kinder auf Bauernhöfen, die sich täglich im Stall aufhalten, viel weniger an Allergien erkranken als Kinder, die nicht so stark und so regelmäßig in Kontakt mit einer Vielzahl von Bakterien kommen.

Nun kann Riedler aber mit weiteren sensationellen Studienergebnissen aufwarten, die nicht nur international Aufsehen erregen werden, sondern die auch entscheidende Fortschritte im Kampf gegen Allergien bringen sollten. Riedler fand zum einen heraus, welche Bestandteile von Bakterien eine immunstimulierende Wirkung erzeugen. Und zwar seien es weniger Endotoxine (Zellgifte), wie bisher gedacht, sondern es sei vielmehr die Muramin-Säure der Bakterien, die in den Abwehrzellen der Menschen zur Produktion von Antikörpern gegen Allergien führe. Für Riedler ist das ein weiterer wichtiger Mosaikstein in der Ursachenforschung: Es seien weniger die Schadstoffe, die durch Umweltverschmutzung hinzugekommen seien, die für die Zunahme der Allergieerkrankungen verantwortlich sind, sondern vielmehr seien uns gewisse Schadstoffe abhanden gekommen, die über Jahrtausende das Immunsystem der Menschen beschäftigt hätten.

Nun würde es wenig Sinn machen, die hohen Hygienestandards wieder in Frage zu stellen. Denn dass die Menschen früher viel stärker als heute Bakterien ausgesetzt waren, führte auch zu lebensbedrohlichen Erkrankungen, wie Lungenentzündung und Tuberkulose. Ein Weg, den sich die Allergieforscher um Riedler vorstellen können, ist die Anreicherung von Babynahrung mit den relevanten Bestandteilen der Bakterien. Im Gegensatz zu den Endotoxinen könnte man nun mit der Muramin-Säure ganz wichtige Schritte weiterkommen.

foto: IGAV-Interessensgemeinschaft AllergenvermeidungDoch der Salzburger Allergieexperte stieß noch auf ein bemerkenswertes Ergebnis: Er fand heraus, weshalb ein bestimmter Prozentsatz der bäuerlichen Bevölkerung trotz ihres für sie günstigen Umfeldes an Allergien leidet. Bei diesen Menschen liegen kleine Gen-Mutationen auf bestimmten Chromosomen vor, die verhindern, dass zum Beispiel der Kontakt mit der angeführten Muramin-Säure zur Produktion von Allergie-Antikörpern führt. Diese Polymorphismen, wie sie Riedler bezeichnet, kämen natürlich auch in der übrigen Bevölkerung vor und seien die genetische Komponente bei der Auslösung von Allergien. Das Wissen um diese Gendefekte hilft nun, gezielt wirksame Medikamente zu entwickeln.

Für Riedler bringen diese Erkenntnisse aber zum Beispiel auch neue Perspektiven in der Krebsmedizin. Polymorphismen können dazu führen, dass bei einem Menschen eine Chemotherapie tolle Erfolge erzielt und beim anderen wirkungslos bleibt. Die Zukunft effizienter Krebstherapien liegt deshalb nach Meinung Riedlers in maßgeschneiderten Therapiekonzepten auf Basis von Genanalysen.


Salzburger Nachrichten am 29. April 2004 - Bereich: wissenschaft

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