Noch mehr Vorsicht bei Hennatattoos geboten
Seit 9000 Jahren wird aus den getrockneten und zerriebenen oder
zermahlenen Blättern des Henna-Strauchs (Lawsonia inermis) ein Extrakt gewonnen, der als Hautfarbstoff dient. Dieser wurde früher scheinbar
problemlos vertragen, in letzter Zeit wurde jedoch, gemeinsam mit dem Auftreten der sogenannten "schwarzen" Hennatattoos in den touristischen
Ferienorten seit Ende der 1990er Jahre, vermehrt über folgenschwere Kontaktreaktionen berichtet.
Bislang dachte man, dass vor allem das dem Farbstoff beigemengte PPD (Paraphenylendiamin), das die Tattookonturen verbessert, die Einwirkungszeit verkürzt und dem Tattoo ein echteres Aussehen verleiht, als Hauptallergen für die Sensibilisierung verantwortlich sei. Neue Erkenntnisse weisen aber darauf hin, dass PPD gleichzeitig auch Sensibilisierungen gegen schwächere Allergene im Henna-Extrakt triggert.
Ein Team von Wissenschaftlern des Floridsdorfer Allergiezentrums FAZ hat sich dieser Thematik angenommen und berichtet in der letzten Ausgabe von Allergologie über Hennatattoo-Allergiker mit
PPD-Sensibilisierung, von denen mehrere eine gleichzeitige Sensibilsierung gegenüber Lawson - den färbenden Hauptbestandteil im Hennaextrakt -
aufwiesen. Insgesamt untersuchten die Forscher 12 Patienten mit Hautreaktionen nach schwarzen Hennatattoos und 10 gesunde Kontrollpersonen.
Bei allen Probanden wurde eine Epikutantestung mit Lawson 1% und 10% durchgeführt. Die aktive Gruppe wurde überdies noch mit 1% PPD, Benzocain und IPPD getestet.
Erwartungsgemäss ergab die Untersuchung bei 11 von 12 Patienten eine Kontaktallergie gegen PPD, aber 4 Patienten zeigten auch eine
Sensibilisierung gegen Lawson auf. Bei 4 Patienten bestand überdies eine Kreuzreaktion mit dem Lokalanästhetikum Benzocain, das chemisch Ähnlichkeiten mit PPD aufweist. Kontaktallergische Reaktionen auf reines Henna sind sehr selten, daher folgern die Wissenschaftler vom FAZ dass "eine massive allergische Reaktion durch das potente Allergen PPD eine gleichzeitige Sensibilisierung auf Lawson erleichtert, welches bei alleinigem Kontakt vermutlich keine Senisbilisierung ausgelöst hätte.", und "Da Lawson auch als Kosmetikum unter anderen in Haarfärbemitteln und Sonnenschutzmitteln Verwendung findet, erscheint es wichtig, bei Patienten mit Reaktionen auf temporäre Hennatattoos eine Lawsonallergie auszuschließen, um allergische Reaktionen in Zukunft zu vermeiden."

Schwarze Hennatattoos: eine unterschätzte Ursache für Lawson- und
Benzocainallergie P. Jung, G. Sesztak-Greinecker, F. Wantke, M. Götz, R.
Jarisch und W. Hemmer; Allergologie, Jahrgang 29, Nr. 3/2006, S.86-91
|