Allergischer Schock:

Weihnachtszeit ist Hochrisikozeit für Nahrungsmittel- allergiker


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Duftende Kekse, Omas Christstollen, Lebkuchen, köstlicher Glühwein und Punsch können für Nahrungsmittelallergiker zur bösen Überraschung werden. Denn viele Gaumenfreuden, die den Advent und die Festtage krönen, enthalten für Nahrungsmittelallergiker hoch-allergene Zutaten wie Nüsse, Kuhmilch, Weizenmehl, Hühnerei und Gewürze wie Zimt und Nelken (Grundzutaten von Glühwein und Weihnachtspunsch), die den Weihnachtsfrieden auf einen Schlag zerstören können. Sie reagieren mitunter akut und folgenschwer – nicht selten endet ein besinnlicher Abend in der Notfallambulanz. Der allergische oder anaphylaktische Schock ist die Maximalvariante einer allergischen Reaktion. Dabei können aufgrund des plötzlichen Blutdruckabfalls innerhalb weniger Minuten lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt werden und es kommt zum Zusammenbruch des Kreislaufs. Ohne sofortige Notfallbehandlung kann der Allergieschock sogar tödlich enden. Diese lebensbedrohliche Extremsituation kündigt sich durch Schwellungen in Gesicht und Hals, Atem-, Schluck- und Sprechbeschwerden, Herzrasen, Schwindel und Schwächegefühl und Übelkeit an.

Allergische Reaktionen können nur durch Weglassen der entsprechenden Allergieauslöser verhindert werden. Da diese Nahrungsmittelallergene jedoch nie zu 100% vom Speiseplan gestrichen werden können, braucht es eine Notfallausrüstung, die immer griffbereit sein sollte. Diese Notfall-Apotheke besteht aus einem Kortisonpräparat, einem Antihistaminikum sowie einer Adrenalin-Fertigspritze. Die ersten beiden Medikamente wirken entzündungshemmend und abschwellend und kommen bei leichteren allergischen Allgemeinreaktionen zum Einsatz. Adrenalin ist der wichtigste Bestandteil der Erste-Hilfe-Ausrüstung. Es stabilisiert in Minutenschnelle den Kreislauf und verhindert schwere Schockreaktionen.

Anaphylaxie-Register soll für Klarheit sorgen
Da anaphylaktische Reaktionen nicht meldepflichtig sind, existiert keine Statistik über Häufigkeit, Verlauf und Ausgang. Zudem ist der moderne Mensch fortlaufend neuen, unbekannten Substanzen und Umweltfaktoren ausgesetzt. Exotische Nahrungsmittel, z.B. Früchte, werden aus der gesamten Welt importiert und hierzulande verzehrt. Jährlich werden hunderte neuer Arzneien und Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt eingeführt.

Nahrungsmittel_(c)_HAL-Allergy.jpgUm mehr Informationen zu den Auslösern, Kofaktoren und der Versorgung von Patienten mit anaphylaktischen Reaktionen zu erhalten, werden seit 2006 in einem multinationalen Register Daten zu anaphylaktischen Reaktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erhoben. Diese Daten bilden die Grundlage für eine verbesserte Aufklärung und Versorgung von Patienten. Zurzeit beteiligen sich 75 allergologisch tätige Fachkliniken und Schwerpunktpraxen. Schwere Reaktionen auf Nahrungsmittel bei Kindern und Erwachsenen wurden nun ausgewertet. Von Mitte 2006 bis Anfang 2009 wurden 1.281 schwere Reaktionen mit pulmonalen und/oder kardiovaskulären Symptomen gemeldet. Nach Überprüfung der Daten konnten 1.165 Fälle berücksichtigt werden. Bei 271 (23%) der insgesamt 1.165 analysierten anaphylaktischen Reaktionen wurden Nahrungsmittel als Auslöser angegeben. Hierbei wurden sowohl Fälle mit gesichertem als auch mit vermutetem Auslöser berücksichtigt. Die Nahrungsmittel-Anaphylaxien verteilten sich dabei auf 115 Kinder und Jugendliche im Alter von drei Monaten bis 17 Jahren (Altersmedian: fünf Jahre) und 156 Erwachsene zwischen 18 und 85 Jahren (Altersmedian: 37 Jahre).

Bei Kindern und Jugendlichen waren Nahrungsmittel mit 58% die häufigsten Auslöser anaphylaktischer Reaktionen. Bei Erwachsenen lagen sie mit 16% an dritter Stelle (nach Insektenstichen mit 55% und Medikamenten mit 21% der Fälle). Der Auslöser wurde in der pädiatrischen Gruppe bei 70% der Fälle (n = 80) als gesichert und bei den restlichen Fällen als verdächtig angegeben. Diagnostisch waren bei 88% spezifische IgE-Bestimmungen und bei 59% Hauttests vorgenommen worden; bei 6% (n = 7) wurden Nahrungsmittel-Provokationen durchgeführt.

Die häufigsten Auslöser bei Kindern waren Hülsenfrüchte (31,3%), Baumnüsse (25,2%) und tierische Produkte (22,6%). Erdnüsse führten unter den Hülsenfrüchten am häufigsten (n = 26) zu Anaphylaxien. Bei Baumnüssen führten Haselnüsse (n = 11), gefolgt von Cashewkernen (n = 5) die Liste an. Unter den tierischen Produkten stand Kuhmilch an erster Stelle (n = 11), gefolgt von Hühnerei mit n = 8.

erdnuesse.jpgBei Erwachsenen ist das Spektrum der Nahrungsmittel-Allergene auf eine größere Anzahl verschiedener Nahrungsmittel-Gruppen verteilt. Folgende Nahrungsmittel-Gruppen wurden jeweils zu 11–13% als Anaphylaxieauslöser genannt: Früchte, Tierprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Baumnüsse. Weitere Gruppen wie Gewürze, Getreide und Zusatzstoffe kamen seltener als Auslöser vor (3–8%). Die angegebenen Fruchtsorten waren vielfältig und wurden jeweils ein- bzw. zweifach registriert. Als häufigste Auslöser waren bei Tierprodukten Krusten- und Schalentiere (n = 11), bei Gemüse Sellerie (n = 8), gefolgt von Karotte (n = 7) und in 18 Fällen Kombinationen aus mehreren Nahrungsmitteln. In der Gruppe der Hülsenfrüchte war Sojabohne (n = 8), gefolgt von Erdnuss (n = 4) der häufigste Auslöser.

Bei 17 Kindern (15%) wurden Kofaktoren - insbesondere in Kombination mit Baumnüssen - angegeben, v. a. körperliche Anstrengung (n = 10), gefolgt von Infektionen (n = 3) und Medikamenten (n = 3). Bei den Erwachsenen waren es 39% mit Kofaktoren, darunter v. a. Medikamente, Alkohol, Anstrengung, psychische Belastung, Infektionen und Menstruation (öfters auch in Kombination). Interessant sind auch die Ergebnisse bezüglich der Rezidive, die immerhin bei 38% der Patienten auftraten. Bei den Kindern reagierten 33% wiederholt, der häufigste gemeldete Auslöser war dabei die Erdnuss (bei Erwachsenen übrigens auch).

Infos über den allergischen Schock gibt’s im IGAV-Ratgeber „Allergischer Notfall“.

Kostenlos erhältlich unter 01/212 60 60

Quellen: MedAustria, Pädiatrie hautnah; Springer Medizin; Allergo J; 2010, 19: 234-242 (Hompes et al)



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