Allergischer Notfall - neuer Patientenratgeber klärt auf

 
Die Anaphylaxie ist die Maximalvariante einer allergischen Reaktion, die unbehandelt innerhalb weniger Minuten zum lebensbedrohlichen Kreislaufschock und sogar zum Tod führen kann. Jährlich sterben etwa 10 Österreicher an den Folgen dieser allergischen Extremreaktion, die vorwiegend von Wespen- oder Bienenstichen, Nahrungsmitteln oder Medikamenten ausgelöst wird. Der neue Ratgeber der Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV) informiert über die wichtigsten Schritte im Ernstfall sowie über Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung.

Geschwollene Lippen und Augenlieder, Ausschlag am ganzen Körper und Juckreiz sind erste Warnsignale der schwersten allergischen Reaktion. Eine sogenannte Anaphylaxie oder allergische Allgemeinreaktion, die Betroffene häufig in der Notfall-Ambulanz landen lässt, ist der dramatische Beweis dafür, dass Allergien nicht harmlos sondern sehr ernst zu nehmen sind. Ausgelöst werden die Beschwerden von an sich harmlosen Substanzen, wie das Gift einer Biene und Wespe, selten auch Hornisse oder Hummel, Medikamente oder Nahrungsmittel (Nüsse, Kuhmilch, Fisch, Schalentiere etc.). „Für Allergiker können schon kleinste Mengen dieser Allergie-Auslöser heftige Reaktionen verursachen, die Haut, Atemwege oder Kreislaufsystem gleichzeitig betreffen und innerhalb weniger Sekunden oder Minuten einen lebensbedrohlichen Zustand hervorrufen“, beschreibt Ass.-Prof. Dr. Tamar Kinaciyan von der Allergie-Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien die Dramatik der überfallsartigen Reaktion, die sofort behandelt werden muss.

„Der Schweregrad einer Reaktion ist im Einzelfall nicht vorhersehbar. Daher ist es ganz wesentlich, bereits bei ersten allergischen Symptomen oder nach milden Zwischenfällen umgehend einen allergologisch versierten Arzt aufzusuchen“, empfiehlt deshalb Univ.-Prof. Dr. Norbert Reider, Leiter der Allergie-Ambulanz an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Lebensrettende Maßnahmen
Treten erste Anzeichen einer Anaphylaxie auf, heißt es keine Zeit verlieren. Neben der Verständigung des Notarztes und der Einleitung wichtiger Erste Hilfe-Maßnahmen, ist vor allem die Einnahme der Notfall-Medikamente (Antihistaminika, Kortison und Adrenalin) von größter Bedeutung. „Korrekt angewandt können sie bis zum Eintreffen des Notarztes akute Reaktionen des Immunsystems dämpfen und den Kreislauf stabilisieren. Deshalb sollte das Notfallset jederzeit griffbereit sein“, betont Kinaciyan.

Für Nahrungsmittel- und Medikamentenallergiker ist das strikte Meiden des Allergie-Auslösers der einzige Schutz vor der schweren allergischen Allgemeinreaktion. Eine Bienen- oder Wespengiftallergie hingegen ist gut behandelbar. Mit der spezifischen Immuntherapie (Allergie-Impfung) kann den Körper wieder langsam an das Insektengift gewöhnt und so ein beinahe vollständiger Schutz vor lebensbedrohlichen Reaktionen aufgebaut werden.

Kinder reagieren auf andere Allergene
Anders als bei Erwachsene, die häufiger extrem auf Insektengifte reagieren, sind Kinder vorwiegend auf Nahrungsmittel allergisch. „Todesfälle sind bei Kindern glücklicherweise relativ selten, dennoch müssen Symptome ernst genommen werden. Bei Verdacht auf eine anaphylaktische Reaktion ist die Überweisung in ein spezialisiertes Zentrum in Spitälern oder Allergie-Ambulatorien wichtig“, so die Kinderfachärztin Univ.-Prof. Dr. Eva-Maria Varga von der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz. Dort gibt es neben Diagnostik, Therapie und Beratung auch entsprechende Schulungen. „Kinder und Jugendliche sowie ihre Betreuungspersonen müssen nach einer schweren allergischen Reaktion zusätzlich in der richtigen Anwendung der Notfall-Medikamente sowie in der Vermeidung der Allergieauslöser geschult und trainiert werden.“

Neuer IGAV-Ratgeber Allergischer Notfall
Der neue Ratgeber „Allergischer Notfall. Anaphylaxie: Wenn die Allergie lebensbedrohlich wird“ der Patientenorganisation IGAV (Interessensgemeinschaft für Allergenvermeidung) gibt Betroffenen und Interessierten einen kompakten Überblick über die Thematik und liefert wichtige Informationen über den richtigen Umgang im Fall eines allergischen Schocks. Der Ratgeber ist Teil der Serie „Leben ohne Allergene“.


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Download unter: http://www.allergenvermeidung.org/download/IGAV-Allergischer-Notfall.pdf
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