Allergie ist nicht gleich Allergie. Die schwerste Form einer
allergischen Reaktion ist eine so genannte Anaphylaxie (griechisch: ohne
Schutz), die innerhalb weniger Minuten den ganzen Körper betreffen und
zum gefährlichen Kreislaufschock und sogar zum Tod führen kann. Die
Anaphylaxie ist der dramatische Beweis dafür, dass Allergien nicht
harmlos, sondern mitunter sehr ernst zu nehmen sind. 5 bis 10 Menschen
in Österreich sterben pro Jahr daran, hunderte landen in der Notaufnahme
– darunter viele Kinder.
Das passiert im Körper
Bereits geringste Mengen eines Allergie-Auslösers reichen aus, um
den Organismus von ansonsten gesunden Menschen völlig aus dem Lot zu
bringen. Dabei löst eine übermäßige Histaminausschüttung eine
Kettenreaktion aus: Blutgefäße weiten sich aus, dadurch fällt der
Blutdruck rapide ab, wodurch lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und
Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt werden können. Das Herz beginnt
zu rasen, der Kreislauf bricht zusammen. Flüssigkeit tritt aus den
Gefäßen aus und lagert sich im Gewebe an. Bilden sich diese Schwellungen
(med. Ödeme) im Halsbereich, ist massive Atemnot die Folge. Dazu
kommt, dass Histamin die Bronchien verengt, wodurch die Atmung
zusätzlich schwerfällt. Ohne sofortige Notfallbehandlung kann der
Allergieschock sogar bis zum Tod führen. Das Ausmaß der anaphylaktischen
Reaktion ist nicht vorhersehbar, der Verlauf unkalkulierbar. Eine
Anaphylaxie ist deshalb immer ein Notfall, der rasches Handeln verlangt.
Auslöser und Risikofaktoren
Ausgelöst werden diese schweren und plötzlich auftretenden
Beschwerden durch eigentlich ungefährliche Substanzen wie Bienen- oder
Wespenstiche, Nahrungsmittel oder manche Arzneimittel.
Bei Erwachsenen sind vorwiegend Insektengifte, in ersterLinie von
Wespen, Auslöser für die lebensbedrohliche Anaphylaxie. Ca. 300.000
Österreicher leiden daran. An zweiter Stelle stehen Medikamente, dicht
gefolgt von Nahrungsmitteln. Wobei bei Nahrungsmitteln zwischen der
weitaus häufigeren Intoleranz („Pseudoallergie“) z.B. gegen Laktose,
Fruktose oder Histamin, die kein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen
kann, einer ebenfalls meist milder verlaufenden Kreuzreaktion bei
Pollenallergien und einer echten, gefährlichen Nahrungsmittel-Allergie
unterschieden werden muss. Mehr dazu
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Kinder reagieren auf Nahrungsmittel
Mehr als die Hälfte der Anaphylaxie-gefährdeten Kinder leiden an
einer nahrungsmittelabhängigen Allergie. An erster Stelle der
Allergie-Auslöser steht die Erdnuss, doch auch die Grundnahrungsmittel
Hühnerei und Weizenmehl sowie Fisch und Schaletiere sind häufige
Verursacher allergischer Extremreaktionen. Normalerweise heilen diese
Allergien (mit Ausnahme von Fisch und Erdnuss) bis zur Pubertät aufgrund
der Reifung des Immunsystems wieder aus. Knapp 20% der
Anaphylaxie-gefährdeten Kinder reagieren auf Insektenstiche, über 10%
auf Medikamente.
Ein weiteres Risikoallergen ist Latex. Selten auch das
Weizenprotein Omega-5-Gliadin oder eine Sensibilisierung auf
Lipid-Transfer-Proteine in bestimmten Nahrungsmitteln, für deren
Bestimmung man meist speziellere Diagnosemethoden braucht. Die Einnahme
bestimmter Medikamente wie z.B. ACE-Hemmer und ganz besonders erhöhte
Tryptasewerte im Blut (med. Mastozytose) sind mit einem zusätzlich
erhöhten Risiko für besonders schwere Anaphylaxien verbunden.
Mastozytose-Patienten bilden übermäßig viele Mastzellen in der Haut oder
in anderen Organen, die entzündungsfördernde Stoffe produzieren, die im
Falle eines Allergenkontaktes ausgeschüttet werden. Ein Allergiker, der
auch eine Mastozytose hat, reagiert somit viel schwerer als ein
normaler Allergiker ohne diese seltene Erkrankung. Weitere
Risikofaktoren, eine besonders schwere allergische Allgemeinreaktion zu
erleiden, sind allergisches Asthma bronchiale und andere chronische
Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie höheres
Lebensalter.
Anders als Atemwegsallergien kann eine Allergie gegen
Insektengifte und Arzneimittelallergie nicht vererbt werden.
Nahrungsmittel-Allergiker hingegen zeigen durchaus eine familiäre
Häufung.
Unterschätztes Risiko – Sorglosigkeit ist russisches Roulette!
Frühes Erkennen und richtiges Reagieren im Notfall können
lebensrettend sein. Deshalb sollten Betroffene ihre Allergie, deren
Auslöser und erste Warnzeichen einer allergischen Reaktion genau kennen
und wissen, was im Falle eines Allergenkontaktes zu tun ist.
Anzeichen eines allergischen Schocks sind:
- Juckreiz an mehreren Körperstellen (v.a. Handflächen, Fußsohlen)
- Rötung am ganzen Körper (juckender Nesselausschlag)
- Anschwellen von Lippen, Augen, Gesicht oder Hals
- Juckende, rote, tränende Augen
- Rinnende oder verstopfte Nase
- Husten, Atemnot, Erstickungsgefühl
- Übelkeit bis zum Erbrechen
- Schluck- und Sprechbeschwerden
- Schweißausbruch, Herzklopfen, Todesangst
- Bewusstseinsverlust
Bei dieser Allgemeinreaktion können Haut, Atemwege, Magen-Darmtrakt und Kreislaufsystem binnen weniger Minuten gleichzeitig betroffen sein.
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Diagnose ist zum Teil Detektivarbeit
Es ist ganz wesentlich, bereits bei ersten allergischen Symptomen
oder nach milden Zwischenfällen umgehend einen allergologisch versierten
Arzt aufzusuchen. Ein österreichweites Verzeichnis von Fachärzten für
HNO-, Kinder,- Haut- und Lungenkrankheiten sowie aller
Allergie-Ambulanzen und -Ambulatorien gibt es auf netdoktor.at
Die Diagnose besteht aus einem Gespräch, in dem geklärt wird, in
welcher Intensität wann welche Symptome aufgetreten sind. Danach werden
Allergietests durchgeführt. Beim Hauttest wird das stark verdünnte
Allergen am Unterarm oder Rücken auf die Haut getropft und eingeritzt.
Eine allergische Reaktion zeigt sich innerhalb weniger Minuten durch
eine juckende Quaddel. Eine Blutuntersuchung erhärtet die Diagnose – die
Allergie gilt als bestätigt, wenn im Organismus Antikörper gegen den
Allergie-Auslöser nachgewiesen werden können. Bei
Nahrungsmittel-Allergien werden zusätzlich zum Haut- und Bluttest noch
Provokationstests eingesetzt. Dabei wird das Immunsystem unter
medizinischer Kontrolle gezielt mit dem verdächtigten Lebensmittel
konfrontiert, um es als Auslöser sicher auszuschließen oder zu
bestätigen.
Diät für Nahrungsmittel-Allergiker…
Bei Nahrungsmittel-Allergikern ist das strikte Meiden des
Allergie-Auslösers bis dato der einzige Schutz vor der schweren
allergischen Allgemeinreaktion. Einseitige Diäten müssen vermieden
werden, deshalb sollten Diätpläne und Empfehlungen für einen sinnvollen
Ersatz der Ernährung sowie individuelle Aufklärung und Schulung
idealerweise in Zusammenarbeit mit Arzt und Ernährungstherapeuten
erfolgen.
… Spezifische Immuntherapie für Insektengiftallergiker…
Eine Bienen- oder Wespengiftallergie hingegen ist sehr gut
behandelbar. Mit der spezifischen Immuntherapie (Allergie-Impfung) kann
den Körper langsam an das Insektengift gewöhnt und so ein beinahe
vollständiger Schutz vor lebensbedrohlichen Reaktionen aufgebaut werden.
Die Erfolgsrate dieser Behandlungsform beträgt fast 100 Prozent. Kaum
eine andere Therapieform in der Medizin ist derart effizient. Außerdem
wird durch die Sicherheit, gefahrlos durch den Sommer zu kommen, die
Lebensqualität der Patienten wesentlich verbessert. Die spezifische
Immuntherapie kann laut Weltgesundheitsorganisation WHO generell ab dem
5. Lebensjahr durchgeführt werden. Im Falle einer Insektengiftallergie,
die über eine Hautreaktion hinausgeht, kann sie auch schon bei jüngeren
Kindern zum Einsatz kommen. Mehr dazu
… und Notfall-Medikamente immer mit dabei
Da Nahrungsmittel-Allergene jedoch nie zu 100% vom Speiseplan
gestrichen werden können, es immer wieder zum versehentlichen Verzehr
von versteckten Allergenen in Speisen kommt und man auch Bienen und
Wespen trotz großer Vorsicht nicht vollständig aus dem Weg gehen kann,
braucht es eine Notfallausrüstung. Sie besteht aus einem
Kortisonpräparat, einem Antihistaminikum sowie einer Adrenalinspritze,
die immer griffbereit sein sollte und ermöglicht Allergikern, sich in
einer Notsituation bis zum Eintreffen des Arztes selbst zu versorgen.
Ganz wichtig ist die Schulung in der richtigen Anwendung der
Notfall-Medikamente.
