Neurodermitis: Preis der Zivilisation?![]() Ass. Prof. Dr. Tamar Kinaciyan Leiterin der Allergie-Ambulanz, Univ.-Klinik für Dermatologie, AKH Wien Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste allergische Erkrankung im Kindesalter — und die Rate an Neuerkrankungen nimmt weiterhin tendenziell zu. In den Industrieländern leiden derzeit zwischen 5 und 20% der Kinder sowie 1 bis 3% der Erwachsenen daran. Die Ursachen sind vielseitig: Epidemiologische Untersuchungen zeigen deutlich, dass erhöhte Hygienestandards mit wenig Kontakt zu bakteriellen Substanzen im Säuglings- und Kleinkindesalter eine wesentliche Rolle spielen, da durch die übertriebene Hygiene der natürliche Abwehrmechanismus der Haut abhanden kommt.
Weiters können gut isolierte Fenster, starkes Heizen und zu seltenes Lüften, Einrichtungsgegenstände, in denen sich vermehrt Hausstaubmilben aufhalten, allergene Pflanzen (wie zB Ficus benjamin), Haustiere sowie Rauchen neben Umweltfaktoren und der genetischen Veranlagung Gründe für den Ausbruch der allergischen Hauterkrankung sein.
Auf Grund intensiver Forschung verbessern und erweitern sich die Behandlungsmöglichkeiten für allergische Erkrankungen Jahr für Jahr. Mit den sog. topischen Immunmodulatoren (TIM) stehen seit kurzem zwei neue, rasch und gut wirksame, kortisonfreie Salben gegen Neurodermitis zur Verfügung. In Verbindung mit feuchtigkeitspenden und rückfettenden Hautpflege-Produkten kann die gestörte Barrierefunktion der Haut wieder hergestellt werden.
Die Kenntnis und soweit möglich die Reduzierung der krankheitsauslösenden Faktoren (zB Beseitigung der Hausstaubmilben) ist nicht nur für die Vorbeugung der Allergie-Entstehung, sondern auch als Unterstützung der medikamentösen Therapie weiterhin von grundlegender Bedeutung. |
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