Allergien bei Kindern und Jugendlichen

Rund die Hälfte aller Kinder besitzt eine grundsätzliche Bereitschaft Allergien zu entwickeln (Atopie). Ob die Erkrankung tatsächlich ausbricht, hängt von mehreren Faktoren ab. Die genauen Ursachen für die Entstehung und Zunahme allergischer Erkrankungen sind allerdings noch nicht vollständig erforscht.

  • Vererbung: Ist ein Elternteil allergisch, liegt das Risiko für das Kind bei rund 30% auch Allergien zu entwickeln. Sind Vater und Mutter Allergiker, steigt diese Wahrscheinlichkeit auf über 60%. Der Großteil der Allergiker-Kinder ist allerdings nicht erblich vorbelastet.

  • Zum ererbten Risiko kommen meist auch noch äußere Einflüsse, die das allergische Fass zum Überlaufen bringen. Den Beweis bringen alle Studien, die die Entwicklung und das Entstehen von Allergien untersuchen. Sie zeigen, dass Allergien in Ländern mit westlichem Lebensstil vermehrt auftreten, woraus man schließen kann, dass Umweltfaktoren und Lebensbedingungen großen Einfluss auf das Allergierisiko haben.

  • Kinder rauchender Eltern kommen mit kleinerer Lunge zur Welt. Zudem gilt Rauchen als größter Risikofaktor für die Entstehung von Asthma.

  • Lebensstil: Wer sich besonders viel in geschlossenen und gut isolierten Räumen mit typischen Allergenen wie Hausstaubmilben aufhält, läuft schneller Gefahr, zum Allergiker zu werden.

  • Hygiene: Die Hygiene-Errungenschaften haben viele tödliche Erkrankungen verhindert. Achtung allerdings vor übertriebenen Hygiene-Maßnahmen. Risikokinder sollten zwar nicht im allergenkontaminierten Umfeld aufwachsen – sterile Bedingungen sind aber auch schlecht. Damit sich das Immunsystem gesund entwickeln kann, braucht es den ausgewogenen Kontakt mit Bakterien und anderen Erregern.

  • Antibiotika & Impfung: Werden Medikamente zu häufig und schon bei banalen Infekten eingesetzt, kann das Immunsystem nicht lernen zu unterscheiden, welche „Eindringlinge“ dem Körper tatsächlich Schaden zufügen können und welche völlig harmlos sind. Impfungen sind in diesem Zusammenhang übrigens kein Thema – weder verursachen sie Allergien, noch schützen sie davor.

  • Bewegungsmangel, einseitige Ernährung und Stress-Situationen wie etwa die Trennung der Eltern können einen Einfluss auf das Allergie-Risiko haben. 

Allergiker-Karriere: Es kann im Babyalter beginnen

Allergiker-Karriere nennt man das Durchleben mehrerer allergischer Beschwerdebilder: Im Säuglingsalter dominieren Nahrungsmittelallergien und Neurodermitis (med. atopische Dermatitis). Im Laufe der Jahre verliert der überwiegende Teil der Kinder diese Allergien wieder. Allerdings ist dann oft eine Sensibilisierung gegenüber Katzenhaaren, Hausstaubmilben und Pollen zu beobachten. Im Schul- und Teenageralter dominieren schließlich Antikörper gegen Pollen. Diese unerwünschte „Karriere“ verläuft in den meisten Fällen ähnlich, bei manchen Kindern beginnt sie aber auch erst später mit Heuschnupfen (med. Rhino-Konjunktivitis).
Die Tabelle zeigt, in welchem Alter welche Allergien am häufigsten auftreten:

Typisches Alter Krankheitsbild Mögliche Symptome Häufige Allergie-Auslöser
Baby & Kleinkindalter
(ca. 0-3 Jahre)
Neurodermitis (bleibt manchmal bis zur Pubertät bestehen) Gerötete, verkrustete, stark juckende Haut Vielfältig, z.B Wetterwechsel, raue Kleidung, Stressfaktoren, manchmal Nahrungsmittel, selten Hausstaubmilbe oder Pollen
  Nahrungsmittel-Allergie Erbrechen, Verstopfung oder (blutiger) Durchfall, Bauchschmerzen, verzögerte Gewichtszunahme, Gewichtsverlust, deutliche Verschlechterung der Neurodermitis, Hautausschläge (Nesselausschlag), Gesichtsschwellung z.B. Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Soja, Erd- und Baumnüsse, Fisch
Kindes- und Jugendalter
(ca. 3-12 Jahre)
Inhalationsallergie (Heuschnupfen und Asthma) Obere Atemwege: juckende geschwollene Augen, verstopfte Nase, Niesreiz

Bronchien, Lunge:
Husten, pfeifender Atem, Atemnot
Fell tragende Tiere wie Katze, Hamster, Meerschweinchen etc., Hausstaubmilbe, Pollen
Jugendalter
(ca. 12-18 Jahre)
Kreuzallergie (häufige Folge einer bestehenden Pollen- oder Nahrungsmittelallergie) Kitzeln an den Lippen oder im Mund, Durchfall, Bauchschmerzen, Gesichtsschwellung, Hautausschläge (z.B. Nesselausschlag), Ödeme z.B. Kern- und Steinobst bei Birkenpollenallergie.

Tabelle möglicher Kreuzreaktionen siehe hier!
altersunabhängig Insektengiftallergie Schwellungen im Gesicht und Halsbereich, Hautausschläge (z.B. Nesselausschlag), Übelkeit, Atemnot, Schwindel, Unruhe, Herzrasen, Kreislaufzusammenbruch Biene, Wespe